Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Flüchtlingshilfe im Odenwald - Unterstützung durch Politik ist gefordert!

Landkreis

Wir Jusos Odenwald möchten zur Flüchtlingsthematik im Odenwald diejenigen sprechen lassen, die wirklich aktiv daran beteiligt sind und aus Erfahrung sagen können, was fehlt und was schief läuft. Auch im Odenwald gibt es noch viel zu tun!

Ein Artikel von Sarah-Luise Grimm und Lutz Schröder von der Flüchtlingshilfe Bad König.

In den beiden Artikeln „Bürgerhilfe für Asylsuchende auch Kreisaufgaben“, der am 25. März im Odenwälder Echo erschien und „Asylsuchende: Ehrenamtliche Hilfe“, der am 9. April im Odenwälder Journal veröffentlicht wurde, erweckt unser Landrat Dietrich Kübler auf Anfrage der Grünen den Eindruck, dass sowohl mit der Flüchtlingsversorgung als auch der Unterbringung alles in bester Ordnung sei.

Dem ist leider nicht so. Es ist Fakt, dass die Hauptversorgung der Flüchtlinge auf ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern beruht, die gerne bereit sind, sich Zeit und Kraft für ihre Mitbürger zu nehmen.

Allerdings ist es den Ehrenamtlichen nicht möglich, professionelle Hilfe zu leisten. Es fehlt den Sozialdiensten an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die Praktikums- und Arbeitsvermittlung, Wohnraumsuche, Krisenintervention, Gesundheitsfürsorge, Dolmetscher- und Übersetzungstätigkeiten sowie administrative Aufgaben (wie die Anmeldung bei Krankenkassen und Behördengänge) und strukturierten Deutschunterricht übernehmen.

Diese Aufgaben können nicht allein von Ehrenamtlichen wahrgenommen werden. Wenn es zum Beispiel um medizinische Angelegenheiten oder wichtige Formulare geht, dann ist es nötig, dass ein Dolmetscher diese Details übersetzt, denn trotz Sprachunterricht kann natürlich nicht erwartet erden, dass die Flüchtlinge medizinische Fachwörter verstehen, die manchen Deutschen schon Schwierigkeiten bereiten.

Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer tun, soviel sie können, wenn es um Freizeitgestaltung, Haushaltshilfe, Hausaufgabenhilfe, Hilfen beim Deutschlernen in kleinem Kreise und Verhaltensregeln im öffentlichen Raum geht. Doch das reicht definitiv nicht!

Wegen eines medizinischen Notfalls musste z. B. eine Immigrantin in einer Klinik in Darmstadt behandelt werden. Wäre nicht eine ehrenamtliche Helferin mehrmals pro Woche nach Darmstadt gefahren, dann wäre es für den Ehemann nicht möglich gewesen, seine Frau zu besuchen und sie wäre mit ihren geringen Sprachkenntnissen völlig auf sich alleine gestellt gewesen. Dieses Beispiel zeigt zum Einen, wie engagiert unsere Mithelfer sind, wirft aber andererseits auch die Frage auf, wer diese Aufgaben übernehmen würde, wenn es keine Freiwilligen gäbe und ob von Freiwilligen wirklich erwartet werden kann, dass sie auf den Kosten sitzen bleiben.

Für die meisten Flüchtlinge ist es wichtig, dass sie eine sinnvolle Beschäftigung haben, denn dies führt dazu, dass sie Wertschätzung erfahren, schneller und besser Deutsch lernen und einen strukturierten Tagesablauf bekommen. Mini- bzw. 1€-Jobs und Praktika könnten also die Integration stark fördern. Es gibt auch potentiell interessierte Arbeitgeber, die Flüchtlinge einstellen würden. Allerdings ist es hierfür notwendig, dass es einfach strukturierte Formulare gibt, welche eine zügige Umsetzung möglich machen.

Des Weiteren sind wir glücklich über die zahlreichen Spenden, die private Personen der Flüchtlingshilfe zugutekommen lassen und die immer eine sinnvolle Verwendung finden. Es war uns z.B. möglich, allein durch Privatspenden, eine junge Mutter mit der nötigen Babyerstausstattung auszurüsten. Die Ausstattung wäre eigentlich Sache des Kreises. Durch die Spenden werden also Gelder gespart, die auf anderem Wege der Flüchtlingshilfe zugute kommen könnten, doch das ist nicht der Fall.

Es gibt also noch einiges, was in der Flüchtlingshilfe geändert und vor allem verbessert werden muss und deshalb ist jede weitere Hilfe und jede weitere Spende wichtig, nützlich, notwendig und willkommen.

Allerdings müssen Politik und öffentliche Verwaltungen die Rahmenbedingungen für Flüchtlinge und die Flüchtlingsarbeit erheblich korrigieren, um menschenwürdige Lebensumstände für sie zu gewährleisten, das gesellschaftliche Miteinander zu fördern und unser Land zukunftsfähig zu gestalten.

Denn zwei Dinge sind sicher: Es werden immer mehr Flüchtlinge zu uns kommen und sie werden lange, wenn nicht sogar lebenslang, bleiben. Wer das noch nicht verstanden hat, liest und schaut keine Nachrichten.