Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Meine Meinung!

Institution Kirche – Hort der Intoleranz

Ein Kommentar von Joshua Seger vor dem Hintergrund der Debatte über die Einführung der Unterrichtseinheit „sexuelle Vielfalt“ in Baden-Württemberg

Eigentlich dachte ich, die Kirche, zumindest die evangelische Kirche in Deutschland, sei weiter. Ich dachte man könnte mit ihr, auch wenn ich ihre Existenzberechtigung an sich in Frage stelle und kritisiere, vernünftig diskutieren und sie würde sich an gesellschaftlich modernes Leben anpassen, es vielleicht sogar fördern. Diese Annahme hat sich als Trugschluss erwiesen. Vielleicht haben es einige Leser vernommen, die Landesregierung Baden-Württemberg möchte die sexuelle Vielfalt im schulischen Unterricht verankern. Hierbei sollen verschiedene Lebensmodelle, beispielsweise die von Homosexuellen oder Transsexuellen besprochen werden und Toleranz gefördert werden. Dies ist nur zu begrüßen, es ist nötig mit Kindern und Jugendlichen frühzeitig alternative Lebensweisen zu beleuchten um endlich eine gesellschaftliche Normalität in diesem Thema herbeizuführen. Ich selbst bekenne, auch mir sind bzw. waren bestimmte Lebensweisen fremd, ich habe/hatte sie nie kennengelernt und konnte mich nie wirklich mit ihnen auseinandersetzen. Das hat sich mittlerweile aber glücklicherweise geändert. Mir ist es entsprechend wichtig, Toleranz und Unterstützung für diese Lebensweisen zu bekunden, denn ich stehe voll und ganz hinter dem Gebot der freien Entfaltung. Für mich ist es schlicht Menschlichkeit, andere Lebensweisen zu akzeptieren, solange sie nicht die Freiheit eines Dritten einschränken. Was nun aber unsere beiden großen Kirchen zum Thema sexuelle Toleranz und Aufklärung zu sagen haben, ist ein Offenbarungseid, der die verkrusteten Strukturen dieser Institutionen aufzeigt. Die Kirchen wenden sich in einem gemeinsamen Brief gegen einen Unterricht zur sexuellen Vielfalt, sprechen davon, dass Kinder indoktriniert würden, ihnen eine Ideologie aufgedrückt würde, sie instrumentalisiert und funktionalisiert werden würden. Solche Worte aus Kirchenmund sind generell mit Vorsicht zu genießen, instrumentalisierte und indoktrinierte die Kirche doch über Jahrhunderte die Menschheit, führte sie in Krieg und Rückschritt. Auch heute, beim Thema sexuelle Vielfalt und Toleranz, begehen die Kirchen einen Rückschritt, wollen selbst nur ihre eigene Ideologie von Ehe und Familie retten um sich wenigstens noch halbwegs eine Legitimation in der Gesellschaft zu sichern. Dies kann nur fehlschlagen, die Gesellschaft ist moderner als das Kreuz, die Lebensrealitäten sehen anders aus. Scheidung, Patchwork-Familien, Alleinerziehung, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften, all dies ist heute gesellschaftliche Realität und auch in großen Teilen der Gesellschaft akzeptierte Normalität. Statt sich dem Anzupassen, fördert die Kirche Ressentiments, bereitet den Boden für Intoleranz, die sie Sonntags scheinheilig verteufelt. Der Staat, das Land Baden-Württemberg, dürfen sich dies nicht gefallen lassen, „jetzt erst recht“ muss die Parole lauten, denn Intoleranz ist leider immer noch weit verbreitet in Deutschland. Ein Lehrer der es schafft fast 70.000 Unterschriften gegen die Einführung der Unterrichtseinheit „sexuelle Vielfalt“ zu sammeln beweist, Deutschland hat noch einen weiten Weg vor sich. Nun ist es Zeit Zeichen zu setzen, zu zeigen, dass die Moral der Zivilgesellschaft mehrheitlich schon längst weiter ist als die der Kirche. Vor diesem Hintergrund wäre auch eine Bannung des Religionsunterrichts aus Schulen zu begrüßen, ein einheitlich sachlich neutraler und alle großen Religionen umfassender Ethikunterricht wäre um einiges sinnvoller. Auch der Entzug sämtlicher staatlicher Privilegien die die Kirchen heute noch besitzen muss endlich herbeigeführt werden. Deutschland ist ein säkularer Staat, der Staat sollte dies durchsetzen und sich zum Laizismus bekennen. Die Kirche hat einmal mehr gezeigt; sie ist ein Relikt vergangener Zeit. Ihr gehört das Fundament entzogen und mit den daraus resultierenden Gewinnen für den Staat sinnvolle Investitionen in Bildung getätigt. Dies ist kein Angriff auf die Gläubigen, ich möchte hier kein Existenzverbot für Kirchen propagieren, sie kann existieren, auf sich alleingestellt, ohne unsere Steuergelder. Vielleicht hilft dies verkrustete Strukturen endlich zu durchbrechen und wahre Toleranz zu schaffen.