Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Meine Meinung!

Der Papst tritt zurück - Worüber wir wirklich diskutieren sollten!

Ein Kommentar von Joshua Seger

Jeder wird es mittlerweile mitbekommen haben, der Papst tritt zurück. Das Alter zwingt den ersten Vertreter Gottes auf Erden in die Knie. Ein Schlag der, so hoffe ich, die katholische Kirche dazu bewegen könnte, sich mit der Realität auseinander zu setzen. Sich zu „verweltlichen“ wie es Benedikt XVI ausdrückte. Er selbst setzte übrigens alles daran, diese Verweltlichung zu verhindern. Dogma und Brauchtum schienen wichtiger als Antworten auf die Probleme von heute zu finden. Nun bin ich es ja durchaus gewohnt von der katholischen Kirche immer wieder dieselbe Leier abgespielt zu bekommen… man hört am besten gar nicht mehr hin, oder nimmt es mit Humor. Erschreckender finde ich hingegen nun aber die mediale Auseinandersetzung mit dem historischen Rücktritt des Ersten Mannes im Vatikan. Es wird spekuliert über das warum, es wird spekuliert über Intrigen, Machtspiele, Herz-OPs und so weiter und so fort. Natürlich wird auch über den Nachfolger spekuliert, was ungefähr soviel Sinn macht wie zu versuchen den eigenen Tod voraus zu sehen. Hinter verschlossenen Türen wird der nächste Papst gewählt, wer das ist, dafür hat ein Beobachter zu wenig Einblick in diese verschlossene, konservativ, kirchliche Männerwelt. Statt nun seit fast zwei Tagen dieses Thema auf die Titelseite zu heben, und das passiert bei den Großen dieser Zunft, sollte man mal darüber nachdenken ob es nicht wichtiger ist, über einen Atombombentest in Nordkorea zu berichten, und zwar auf dem Titelblatt. Ob es nicht von viel größerer historischer Bedeutung ist, dass Barack Obama das Atomwaffenarsenal der USA um ein Drittel verkleinern will, ob die erste „Frühlingsrevolution“ in Tunesien ein unrühmliches Ende findet, ob Ägypten auf ein neuerliches Chaos zusteuert. All dies ist nicht nur aus der Sicht eines Jungsozialisten viel bewegender für unsere Welt und unser Land, nein, es hat faktisch um einiges mehr Einfluss auf unser jetziges Leben, als der Rücktritt eines Papstes der einer Kirche vorsteht, von der sich immer mehr Menschen abwenden. Die Schweizer Garde wird Europa nicht gefährlich werden, verrückte Nordkoreanische Militärs mit Atombomben vielleicht schon, ebenso wie radikalisierte Islamisten die neue Hochburgen in Tunesien und Ägypten errichten könnten und die Menschenrechte mit Füßen treten. Da man sich nun aber, seit fast zwei Tagen auf der Titelseite und auf sämtlichen Internetpräsenzen hauptsächlich mit der Kirche beschäftigt, dann habe ich zumindest einen Vorschlag dazu. Machen wir es auf eine Art und Weise, die die Gesellschaft betrifft und mitnimmt. Denken wir über das Verhältnis von Staat und Kirche nach. Denken wir darüber nach, warum der Staat kirchliche Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser zu 100% bezahlt, und die Kirchen trotzdem ihr eigenes Arbeitsrecht und –Ethos durchsetzen dürfen. Denn es ist mitnichten wie oft gedacht; Diese Einrichtungen werden nicht der Kirche und Kirchensteuer selbst gezahlt. Nein, der Steuerzahler finanziert, die Kirche setzt nur ihr „Weltbild“ in diesen Einrichtungen durch. D.h. im Endeffekt, wer nicht getauft ist, wer sich scheiden lässt, wer nicht einen konservativen Lebensstil verfolgt, wird in solchen Einrichtungen nicht eingestellt, unabhängig von Qualifikation und Nutzen. Auch anders nimmt die Kirche Einfluss, man nehme nur das Beispiel der Antibabypille, die einer vergewaltigten Frau nicht verabreicht wurde, weil dies gegen „Gottes Wille“ verstoße. Es ist traurig aber wahr. Ich dachte nicht, dass wir diese Probleme in Deutschland noch hätten, sehe aber nun, sie sind existent. Wenn man über einen republikanischen Senatskandidat den Kopf schüttelt, der behauptet Vergewaltigungen und deren Folgen seien Gottes Wille, dann sollte man über Aussagen der katholischen Kirche in diesem Lande nachdenken. Sie sind zumindest vergleichbar. Warum lässt der Staat dies zu? Warum finanzieren wir solche Verstöße gegen die Vernunft, gegen Moral und nicht zuletzt gegen unser Grundgesetz? Wir lassen zu, in einer Zeit in der sich immer mehr Menschen gerade von der katholischen Kirche abwenden, dass die Kirche, evangelisch wie katholisch, in zunehmendem Maße Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen übernimmt, da sie dafür Irrwitzigerweise Zuschüsse von Bund und Land bekommen, die Kreise und Kommunen nicht bekommen. Warum? Diese Frage muss erlaubt sein! Auch eine SPD unterbindet dies bisher nicht. Es könnte Wählerstimmen kosten dieses Spiel zu beenden. Ein Argument, aber ein schwaches, gerade von einer Partei die seit 150 Jahren zu ihren Idealen hält, die für anständige und objektive Bildung eintritt. Wir sehen, Reformierung benötigt nicht nur die katholische Kirche, sondern auch unser angeblich säkularer Staat. Da dies aber bisher nicht eintritt, weder eine moderne Kirche, noch ein echter säkularer Staat sich bisher etablieren konnten, ist es nur zu begrüßen, dass die katholische Kirche Mitglieder en Masse verliert und ihre Bedeutung schwindet. Dem nächsten Papst sollte man deshalb zwei Dinge wünschen: Echten Reformwillen und die Einsicht, dass Kondome die Verbreitung von AIDS verhindern können. Andernfalls wird die katholische Kirche in der Bedeutungslosigkeit versinken, zumindest wenn der Staat endlich wirklich säkular wird. Als Juso würde ich natürlich auch diesen Weg mit Genugtuung beobachten, wenn er bis dahin nicht noch so einige Menschenleben zerstören würde.