Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

Von 9 auf 6 und ein Spendenaufruf!

Dienstag am späten Nachmittag kamen Flo und ich in Dukwi an. Einen Monat nachdem wir es verließen. Eine Woche wollten wir damals wegbleiben. Die Zeitspanne expandierte dann doch etwas.
Ab Mittwoch saßen wir in einem Seminar für die Sprecher/Anführer der jeweiligen Gruppierungen im Flüchtlingslager, darunter Vertreter verschiedener Kirchen und Religionen, Repräsentanten unterschiedener Ethnien, Nationalitäten und Kulturen, sowie diverse traditionelle Heiler.
Es ging um Aufklärung über HIV+AIDS, die Therapien die dagegen verordnet bzw. eingesetzt werden und auch um geschlechterbasierende Gewalt.
Solcherlei Seminare sind auch bitter nötig, denn einige Teilnehmer des Seminars wissen erschreckend wenig über AIDS+HIV, obschon sie schon länger hier in Botswana/Dukwi sind.
Am Mittwoch konnten wir uns entsprechend auch den halben Tag eine Diskussion über „AIDS ist die Strafe Gottes für unsere Sünden“ genießen.
Da hört man dann auch mal von ein bis zwei Pastoren, sie sagen den Jugendlichen die ihre Kirche besuchen NICHT, dass sie Kondome benutzen sollen, weil dann würde man sie ja zu außerehelichem Sex anstacheln und das ist ja nach der BIBEL sowieso verboten.
Da hab ich dann doch mal sagen müssen, dass ein Pastor ja eigentlich für seine Kirchengemeinde zu sorgen hat, ergo versuchen sollte zu verhindern, dass Mitglieder seiner Gemeinde AIDS bekommen.
Hat die Herren der Schöpfung nicht wirklich interessiert….
In diesem Seminar, hauptsächlich von älteren Menschen besetzt, muss man sich sowieso überproportional mit Argumentationen auseinandersetzen die wie folgt beginnen: „Aber die Bibel sagt…..“. Ja gut, was soll ich dazu noch sagen… Ich erspare mir und euch jeglichen weiteren Kommentar dazu, sonst bin ich morgen damit noch nicht fertig.
Die jungen Leute sind, so weit ich das bis jetzt erleben konnte, zum Glück nicht so drauf.
Das Seminar hatte eine Laufzeit von 3 Tagen, ging also bis Freitag. Flo und mir selbst brachte es nicht viel Neues an Informationen über AIDS und HIV selbst, aber der Einblick in das Wissen und Denken der anderen Teilnehmer war durchaus interessant.
Freitag habe ich das erste Mal seit einem Monat wieder Fussball gespielt, man hatte schon mehrmals nach mir gefragt. Glücklicherweise habe ich meine doch beschränkten Fähigkeiten des Torhütens noch nicht gänzlich verloren. 2-1 haben wir gewonnen, das Gegentor war ein Elfmeter.
Gutes Spiel also.
Samstags fuhren wir mit Tshepo auf einen Aktionstag des Roten Kreuzes in Francistown. Hört sich ja gut an dachten wir, man klärt die Bevölkerung auf und versucht mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Nichts wars! Der Aktionstag war organisiert von „Engen“, einem afrikanischen Ölkonzern (glaube jedenfalls das der afrikanisch ist) und fand in einem exklusiven Hotelparkt statt. Ausschließlich Engen-Mitarbeiter waren anwesend und haben da einen kleinen Entertainment- und Sporttag von ihrem Arbeitgeber finanziert bekommen. Das Rote Kreuz war wohl mehr oder weniger Lobbyarbeitstechnisch unterwegs.
Großartige Bevölkerungsaufklärung fand jedenfalls nicht statt, dafür durfte man sich dann anhören, was dieser Ölkonzern doch so alles für die Umwelt und Gesundheit tut…. Jaa, statt morgens um 6 Aufzustehen wäre ich besser liegengeblieben, das hätte meiner Gesundheit besser getan.
Immerhin haben Flo und ich einen HIV-/AIDS-Test machen können. Beide negativ. Das ist schon mal positiv. In drei Monaten müssen wir dann nochmal einen machen, da es zwischen Infektion und Nachweisbarkeit eine Zeitspanne von 3 Monaten gibt in denen das Virus noch nicht nachweisbar ist, da die köpereigenen Abwehrzellen (CD-4 Zellen) dann noch versuchen gegen das Virus zu kämpfen und in diesem Zeitraum noch in der Lage sind sich in genügend großer Anzahl zu reproduzieren.
Samstagabend ging es dann auf eine kleine Feier im Flüchtlingslager. Die Sozialarbeiterin vom Roten Kreuz heiratet bald und ihre Kollegen hatten deshalb eine „Bridal-Shower“, eine Vorheiratsparty, organisiert.
Flo und ich haben die traditionelle botswanische Küche gekostet, war eindeutig nicht mein Fall.
Hähnchenfüße, Hähncheninnereien und irgendein ganz bitteres Mouse. Ich hab mich dann wieder an die Hähnchenschenkel gehalten. :D

Arbeitspläne haben wir von Tshepo letzte Woche schon vorgelegt bekommen, die sind noch etwas dünn, so 6 Stunden Arbeit die Woche ist eindeutig zu wenig. Wir werden aber diese Woche mit ihr darüber reden, denn da muss mehr gehen. Hier muss es mehr Arbeitsmöglichkeiten für uns geben, ansonsten sind wir hier fehl am Platz.
Diesen Montag konnten wir mit Tshepo nochmal darüber reden und hoffen nun, dass wir endlich richtig in die Arbeit eingebunden werden. Gespräche gab es auch mit den freiwilligen Mitarbeitern des Youth-Centers, die sind froh über neue Ideen und Hilfe. Dort scheint es nun auch einiges an Arbeit für uns zu geben, vom organisieren von Workshops zur Weiterbildung für die Kids, bis zu weiteren Entertainment und Mobilisierungsangeboten. Da wäre zum Beispiel ein richtiges Fußballtraining welches ich anbieten möchte. Die Wände des Youth-Centers brauchen ebenfalls einen neuen Anstrich. Wir wurden aber auch gefragt ob wir neue Bücher und Filme für das Youthcenter besorgen können.

Büchertechnisch wollte ich euch liebe Leser dazu aufrufen, eine Bücherspende hier in das Flüchtlingslager zu starten.
Wenn ihr irgendwelche englischen Bücher habt, die ihr nicht mehr braucht, schickt sie hier her oder meldet euch bei mir per Mail! Das wäre echt eine gute Sache und ihr wisst, dass eure Spenden direkt ankommen, dafür sorge ich persönlich.
Ihr könnt eure Bücher aber auch einfach bei meiner Schwester oder Mutter in Reichelsheim abgeben und ihnen …. an Portogeld mitgeben. Sie sorgen dann dafür, dass die Bücher hier hin gesendet werden. Die Adresse an die ihr selbst die Bücher nach Botswana schicken könnt ist:

Private Bag SOW 9. Sowa
Dukwi Refugee Camp, Botswana

Ich danke euch schon mal für eure Hilfe!

Sollte es jetzt aber trotz all unseren Versuchen uns wirklich Arbeit zu verschaffen, weitergehen wie bisher, haben Flo und ich beschlossen die Entwicklung bis Ende November abzuwarten. Wenn bis dahin nichts passiert ist sind wir endgültig weg, dann lassen wir uns auch nicht mehr hinhalten. Lebenszeit ist wertvoll und sollte nicht verschwendet werden!
Zumindest werden wir aber im Moment etwas mehr eingebunden als zuvor, nicht nur im Jugendzentrum, sondern auch bei der Mobilisierung und Aufklärung der Flüchtlingsgemeinschaft.
Zwei-bis dreimal in der Woche werden hier nämlich Hausbesuche von Red-Cross-Volunteers durchgeführt, bei denen über AIDS/HIV und andere medizinische Themen informiert wird.
Aber auch andere Aufgaben werden vom Mobilisierungsteam übernommen, Dienstag mussten wir z.B. HIV-Infizierte Flüchtlinge darüber informieren, sich ihre Medikamente noch an diesem Tag ab zu holen, da der Apotheker bis nächsten Montag nicht im Camp ist.
Soweit zu unseren Erlebnissen rund um Dukwi.

Letzte(n) Mittwochnacht/-abend um viertel vor 12 rief mich Lona aus Gaborone an. In ihr Haus wurde eingebrochen, während sie, Feli und Cara dort schliefen. Vier Männer kamen ins Haus, trotz zwei Meter Mauer, Alarmanlage und Elektrozaun. Sie klauten den Mädels alles und wollten sie wohl auch vergewaltigen. Haben sie dann glücklicherweise aber letztendlich doch nicht getan. Warum weiß ich noch nicht.
Lona, Feli und Cara haben jetzt gar nichts mehr, kein Geld, keine Handys, keine Laptops, keine Brieftaschen. Alles weg. Die drei wollten verständlicherweise nur noch weg. In dem Haus hätten sie nicht mehr schlafen können, sie fühlten sich nicht sicher. Freitag flogen sie nach Hause.
Seit Samstagmorgen sind also die vormalig neun deutschen Freiwilligen nur noch zu sechst.
Dass so etwas passieren könnte, gerade in diesem gesicherten Haus, hätte ich nicht gedacht. Die Machete behält jedenfalls ihren Ehrenplatz unter meinem Bett.
Die Mädels haben meines Erachtens das einzig Richtige in dieser Situation gemacht und die korrekten Konsequenzen gezogen.
Mal gucken wie viel Schwund da in den nächsten Wochen und Monaten noch zusätzlich einsetzt.

Eigentlich wollte ich diesen Blog schon viel früher hochladen, dann wäre er auch nicht so vollgestopft mit Infos, sondern ich hätte das aufteilen können. Aber das Internet ist oftmals so schlecht, dass ich nicht mal in der Lage bin e-Mails abzusetzen. Wenn der Blog also hochgeladen ist, habe ich grade mal einen lichten Moment des Netzwerks nutzen können.

Es freut mich übrigens sehr, dass gegen die Nazis in Reichelsheim und im Odenwald Initiative ergriffen wird! Nicht nur seitens der Jusos, sondern auch seitens der SPD und der öffentlichen Gremien. Das muss nun weiter fortgeführt werden und konkrete, angesprochene und erforderliche, Handlungsschritte vorangetrieben und durchgeführt werden. Dran bleiben! Das muss jetzt unsere Order sein.

Das Bild zeigt unseren Hof, diesmal bei Nacht. Es ist unbearbeitet! Der Mond ist wirklich so hell, da braucht man kein Licht und keine Laterne mehr!

Sozialistische Grüße und bis denn!

Josh, endlich wieder in Dukwi, 06.11.2012