Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

On Top of Lovers-Hill

17. Januar 2013, so lange dürfen wir nun im Land bleiben und arbeiten, dies steht auf unserem Waiver den wir nun in den Händen halten. Der Waiver ist natürlich wieder mal nicht das, was man uns sagte was er ist, er ist zwar Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung, aber eben nicht für unsere volle Einsatzzeit. Wir brauchen nun zusätzlich doch noch ein Visum. Die Arbeitsgenehmigung muss im Januar verlängert werden.
Ich hoffe doch mal, dass dies Reibungsloser von statten geht als die Beschaffung unserer Permission für das Flüchtlingscamp.
Mein Bluttest hat nichts Neues ergeben, ich hoffe jetzt einfach mal, dass die Halsschmerzen sich bald verflüchtigen.
Der Sprach- und Kulturkurs in Otse hat doch noch einige interessante Informationen gebracht, die Woche war somit glücklicherweise nicht total verschenkt.
Am Dienstag waren wir zunächst bei der „Kgotla“ Otses, dies ist so etwas wie die Gemeindeverwaltung des Dorfes. Allerdings gibt es in den Dörfern hier nicht so etwas wie einen gewählten Bürgermeister und gewählte Gemeindevertreter, nein, hier gibt es einen Chief.
Dieser verwaltet das Dorf, und er ist „Chief by blood“, dass heißt er ist wegen seiner Blutlinie in diese Position gekommen. Die Dörfer ordnen sich selbst bestimmten Stämmen zu, für die es auch nochmal einen Chief gibt, der dann der Chief aller Dörfer seines Stammes ist. Auch Frauen können Chief werden.
Allerdings sind die Chiefs natürlich dem Parlament und der Regierung unterstellt und müssen diese Gesetze befolgen, auch dürfen sie selbst keine Gesetze oder langfristige Verordnungen erlassen.
Durch das „House of Chiefs“ (ähnlich dem House of Lords in Great-Britain), können die Chiefs aber (beratenden) Einfluss auf das Parlament und seine Abgeordneten nehmen.
Wir erfuhren zudem: Botswana erstreckte sich vor der Kolonialzeit, nach Darstellung des Vize-Chiefs, noch weitere 300 Kilometer in den Süden, also auf heutige südafrikanische Fläche.
Dann konnten wir uns noch Erzählungen des Dorfältesten anhören, der uns erzählte, dass früher alles besser war, so konnten Jungen noch zusammen in einem Raum sitzen, ohne als Schwul deklariert zu werden, was ja heute strafbar ist. So ganz viel Sinn hat das für mich nicht gemacht, aber naja.
Das Leben vor 100 Jahren war aber natürlich ein gänzlich anderes hier, die Familien eines Dorfes lebten mit und voneinander und jeder trug seinen Teil bei.
So nahm die eine Familie z.B. die Kinder der Anderen auf, während diese dann auf dem Feld arbeiten gehen konnten und Nahrungsmittel für alle besorgten. Ein harmonisches Geben und Nehmen also, welches durch westliche Kultur zerstört wurde.
Botswanen sind auch sehr friedliebendes Volk und bis vor 50-60 Jahren war es wohl auch so, dass niemand irgendwie Türen am Haus abschließen musste oder eine Mauer um sein Grundstück zog.
Dies wurde, nach Darstellung unserer Setswanalehrerin, Banki, erst nötig, als Menschen aus Simbabwe nach Botswana zogen bzw. flüchteten. Sie brachten wohl eine neue „Kultur“ des Stehlens, Raubens und auch Mordens mit ins Land. Deshalb ist es auch heute noch so, dass viele Menschen in Botswana nicht gerade gut auf Leute aus Simbabwe zu sprechen sind. Dies merkt man auch.
Mittwoch sind wir nach unseren Setswanastunden auf einen Berg/Hügel hier in Otse geklettert und das obwohl uns der Dorfälteste eindrücklich warnte auf diesen Berg zu gehen, weil viele Menschen von dort nicht zurückkehrten und Geister ihr Unwesen treiben. Die Aussicht auf Black-Mambas und Phytons konnte uns auch nicht stoppen.
Was soll ich sagen, wir haben‘s überlebt und ihr lest meinen Blog.
Der Berg ist wie unsere Lodge benannt: Baratani. Die Liebenden. Er heisst so, weil ein unglückliches Paar vor langer Zeit auf diesen Berg flüchtete, weil die Familien der Beiden nicht mit ihrer Heirat einverstanden waren. Der Geschichte nach kamen sie nie wieder zurück.
Das Foto ist übrigens von der Spitze dieses Berges. Ein gigantischer Ausblick. Wär es ein bisschen Grüner könnte ich es mir durchaus als die Wiege der Menschheit vorstellen.
Donnerstagnachmittag ging es nach Ramotswa, sozusagen der Kreisstadt von Otse.
Dort besichtigten wir ein lutheranisches Krankenhaus. Ursprünglich von deutschen Evangelikalen aus Hermannsburg gegründet und auch heute ist dort noch eine deutsche Ärztin.
Das war früher freilich anders, da muss ca. die halbe Krankenhausmannschaft deutsch oder zumindest europäisch gewesen sein.
Das Krankenhaus ist verhältnismäßig gut ausgestattet, Physiotherapie (mit deutschen Plakaten der Techniker Krankenkasse), Orthopädie (ausgestattet mit deutschem Gerät von OttoBock), Hospitz, eine Babystation und noch einmal eine separate Kinderabteilung.
Die Kapelle hat mich total an Deutschland erinnert, Holzverkleidung an der Decke und eine sehr deutsche Einrichtung.
Die Kirche neben dem Krankenhaus hatte auch einen sehr gotischen Stil.
Die Architektur der Häuser hat also sehr an die frühere Mission erinnert die in Ramotswa stationiert und aufgebaut wurde.
Ein eigenes Labor hat das Krankenhaus auch. Nicht schlecht also, auch wenn die anatomischen Plakate, die ja in jedem Krankenhaus rumhängen, keine Genitalien zeigten und auf einigen Plakaten so etwas stand wie „Durch Biertrinken kann man AIDS bekommen“?!
Ramotswa ist ca. 500 Meter von der südafrikanischen Grenze entfernt, also betraten wir kurz südafrikanischen Boden. Hat sich nicht wirklich von botswanischem unterschieden. Die Mädels sind trotzdem rumgehüpft wie Kaninchen und haben Fotos von diesem gaaaanz anderen Südafrika gemacht…Kein Kommentar dazu.
Freitag mussten wir unseren Sprachkurs dann vorzeitig abbrechen, ca. 60 Kilometer von Gaborone entfernt gab es aufgrund starker Regenfälle Überschwemmungen bei denen das Rote Kreuz nun Katastrophenhilfe leisten muss und seine Mitarbeiter deshalb zusammenzieht.
Wir werden unseren Sprachkurs nun nicht am Montag zu Ende bringen können, sondern erst am Dienstag.
Nun sitzen wir wieder in Gaborone, langweilen uns mehr oder weniger (zumindest haben wir Internet und Lona hat außerdem morgen Geburtstag) und warten.

Josh, Gaborone, 26.10.2012