Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

Konversationen, Kinder-Bh’s und Bluttests.

Zunächst einmal: Da ist das Ding! Wir haben die Exemption, d.h. wir haben eine Arbeitsgenehmigung, die wir entgegen aller Behauptungen offensichtlich doch brauchten. So liest sich dieser Zettel nämlich und nur deshalb hat er eine Existenzberechtigung.
Diese Exemption wird eigentlich wohl auch nur in Notfällen ausgestellt (deshalb steht da auch Emergency drauf), z.B. wenn jemand nicht früh genug seinen Waiver beantragt hat.
Die Exemption gilt bis Januar, danach brauchen wir unsere Waiver, die uns längerfristigen Aufenthalt zusprechen.
Noch haben wir allerdings nicht angefangen zu arbeiten, wir sind weiterhin in Gaborone. Interkulturell ist aber auch die Hauptstadt Botswanas durchaus interessant.
So lernten unsere Mädels, dass sie hier nur Kinder-BH’s kaufen können, weil alle anderen zu groß sind. Auf die Frage was Frauen mit noch kleineren Brüsten als die ihren machen sollten, wurde ihnen gesagt, die bräuchten ja keine :D.
Auch wurden wir von dem englischen Gründer und Ex-Chef von Group 4 Securior (G4S) und seiner Frau, die wir am 3. Oktober auf dem Botschaftsempfang kennengelernt hatten, zu einem Braii eingeladen, einem botswanischen Barbecue.
Lecker wars, und wir konnten noch ein paar andere junge Erwachsene in unserem Alter kennen lernen, natürlich alle mit englischem Hintergrund.
Naturgemäß fand ich aber die, durch etwas Alkoholkonsum sicherlich befeuerte, politische Diskussion viel interessanter.
Da hört man Sätze wie: „Arbeitslose Menschen sollten bei Wahlen am besten eine Stimme bekommen, während arbeitende Menschen zwei Stimmen zugesprochen werden sollten.“
Spätestens ab diesem Punkt merkte ich: Du bist hier gerade in einem High-Class Umfeld.
Romney hätte sich hier prächtig verstanden gefühlt.
Nach 40 Jahren in Botswana und all dem was ich erlebte, kann ich etwas Zynismus aber auch durchaus verstehen. Widersprochen habe ich natürlich trotzdem, keine Angst Genossen!
Doch führte ich auch noch ein vernünftiges Gespräch mit unserem Gastgeber, der mir zustimmte, dass Bildung DIE Ressource Europas ist und entsprechend kostenlose Bildung in ganz Europa unumgänglich ist.
In sofern konnte ich auch diesen Nachmittag als Erfolg bezeichnen.
Ein paar Tage später lernten wir dann in einem Lokal einen Südafrikaner (weiss), einen Botswanen (weiss) und einen Holländer kennen. Alle drei saßen an drei verschiedenen Tischen, wir am vierten.
Nachdem die Tische zusammengeschoben waren, hatten wir einen sehr amüsanten Abend.
Ständig bekamen wir ein Bier ausgegeben, was natürlich gänzlich an meinem männlichen Charme lag und nicht an den drei Mädels die uns begleiteten.
Diskussionen setzten auch hier ein, die USA waren das Thema.
Konsens am Ende des Abends war dann: Romney stürzt die Vereinigten Staaten in die Vergangenheit zurück, Obama ist zwar auch nicht mehr der Heilsbringer der 2008 so viel Hoffnung weckte, aber er ist definitiv das kleinere Übel und auf dem richtigen Weg.
Ich konnte also einmal mehr zufrieden sein.
Heimgefahren wurden wir dann sogar auch noch. Hier fährt so ziemlich jeder betrunken durch die Gegend sobald die Sonne untergeht, ob man also mit einem betrunkenen Taxifahrer fährt oder mit betrunkenen Herren zwischen 50 und 60 die einem ständig einen Ausgaben macht da keinen Unterschied mehr.
Viele Gespräche konnte ich also bis dahin führen, das Interessanteste führte ich aber Samstag Morgen mit einem Flüchtling, der zu medizinischen Untersuchungen von Dukwi nach Gaborone gekommen ist.
Da das Botswana Red Cross dies organisiert hatte, wohnt er in dem selben Gästehaus wie wir (George&Son Properties, zu empfehlen, kein Internet).
Sein Name ist James, ich darf ihn nennen und seine Geschichte hier mal etwas erläutern.
Er erhofft sich, glaube ich, Hilfe dadurch.
Ich habe ihm gesagt, er solle nicht zu große Erwartungen haben. Wenn jemand von euch Lösungen zu dieser Situation weis, schreibt mir!
Er kommt aus Uganda und wurde dort angeschossen. In die Hüfte. Warum genau wollte er mich nicht sagen. Das Wort politische Instabilität ist gefallen.
Seit dem Einschuss hat er massive Probleme mit dieser Verletzung.
Der Knochen ist zwar nach einer Operation äußerlich verheilt, aber die Sache ist immer noch entzündet. Die Hüfte ist auch total schief, er hat mir Röntgenbilder gezeigt, weil er hoffte ich würde etwas darauf erkennen, was die „unfähigen Ärzte in Botswana“ nicht sehen würden. Warum er das hoffte? Weil ich Deutscher bin…ein Mensch aus dem geheiligten Europa wo Milch und Honig fließt….
Ich musste ihn natürlich enttäuschen.
Seitdem James in Botswana als Flüchtling aufgenommen wurde, wird er von Doktor zu Doktor, von Krankenhaus zu Krankenhaus weitergereicht. Einen privaten Doktor darf er natürlich nicht konsultieren (private Doktoren und Kliniken sind hier wohl die Besseren).
Entsprechend ist er in ziemlich feindseliger Stimmung gegen Botswana und seine Einwohner die, laut ihm, unterentwickelte Buschmenschen sind. Finde ich nicht, habe ich ihm auch gesagt.
Aber klar, der Mann ist frustriert, darf hier nicht arbeiten, kann sich entsprechend keinen Doktor leisten und wird durch das UNHCR nur mit dem Nötigsten versorgt.
Da die Situation so ist wie sie ist, jagen diverse Flüchtlinge aus Dukwi wohl auch mal mit Pfeil und Bogen Wildtiere, Hühner und Hasen dürfen sie sich halten, und verkaufen das gewonnene Fleisch unterm Tisch oder benutzen es zum Selbstverzehr.
James hofft jetzt in Gaborone jedenfalls auf eine ärztliche Anordnung zur Überstellung nach Europa, bzw. Deutschland, um seine Hüfte ordentlich repariert zu bekommen.
Die UN nimmt wohl solche Überstellungen durchaus vor…vielleicht hofft er das aber auch nur.
Ich wünsche ihm jedenfalls das Beste, musste ihn aber leider auch den Traum vom perfekten Europa zu Nichte machen.
Angefangen bei den Grenzkontrollen, bis zu den restriktiven deutschen Bestimmungen in der Flüchtlingsfrage.
Auch in Deutschland würde er nicht arbeiten dürfen, es wäre dort ziemlich genau so, wie in Botswana. Aber immerhin wäre die medizinische Versorgung um einiges besser.
Wer aber hätte das gedacht? Mein erstes intensives Gespräch mit einem Flüchtling hatte ich nicht im Flüchtlingslager in Dukwi, sondern in Gaborone in einem Gästehaus.
Im Gegensatz zu seinen gesundheitlichen Problemen sind meine wohl ein Klacks.
Seit 4 Wochen habe ich nun Halsschmerzen, egal was ich mache, sie gehen nicht weg. Ansonsten habe ich keine Beschwerden.
Dreimal war ich nun schon beim Doc, zweimal sogar bei einem Privaten. Penicillin hatte nichts genutzt und so habe ich mich am Samstag zum zweiten Mal in der Praxis eingefunden um Blut abgenommen zu bekommen. Der erste Bluttest brachte kein Ergebnis. Jetzt wird meine Schilddrüse kontrolliert, mal gucken was da raus kommt. Bis jetzt hat kein Doktor eine Ahnung was ich haben könnte, aber wie auch? Ich wusste ja schon immer ich bin besonders :D.
Mittwoch sind die Ergebnisse da.
Von Morgen bis Freitag bin ich allerdings erstmal wieder in Otse in der Lodge in der wir unsere ersten fünf Tage verbrachten. Dort werden wir unseren Sprachkurs zu Ende bringen.
Ist wohl billiger für das Rote Kreuz es dort stattfinden zu lassen. Mir soll es recht sein. Mittwoch muss ich nur nochmal nach Gaborone um die Ergebnisse des Bluttests zu erfahren. Mein Blut wird in Johannesburg analysiert.
120 Euro habe ich mindestens schon für dieses ganze Prozedere ausgegeben.
Warten wir mal ab was so herauskommt.

P.S.: Ich habe ja mal über die mediale Unaufgeklärtheit hier in Botswana geschrieben, bzw. über XINHUA und so.
Genial ist, hier gibt es Press TV. Der iranische Nachrichtensender oder besser gesagt das Propagandarohr des Regimes. Press TV wurde heute in Europa abgeschaltet aufgrund von unsachlicher Berichterstattung und Propaganda gegen den Westen.
Press TV echauffierte sich heute in ganz großer Manier darüber. Die Pressefreiheit würde unterdrückt und es wär ein Schlag gegen die Freiheit. Genau! Weil Iran soviel von Pressefreiheit hält!
In Afrika läuft es noch, und so können wir uns täglich gaanz objektive Presseberichte über den imperialistischen Westen uns seine Häscher angucken. Der Westen ist das BÖSE! :D
Wenn solche Propaganda nicht von Leuten ernst genommen würde, wärs ja noch lustig.
Aber da sieht man mal wieder, wie und welche Informationen die Menschen in Botswana hier über den Rest der Welt bekommen. Besonders gut ist das nicht.
Jedenfalls ist es gut, das die EU-Kommission dagegen was unternommen hat, im Zuge ihrer Sanktionen gegen Iran.
Auch gibt es hier ungefähr 6 Bibel- und Jesussender. Das guckt hier jeder! Total schlimm.
Die sind nicht wie bei uns auf Kanal 1226, sondern irgendwo zwischen Kanal 1-12!
Da ist der Verdummungsgrad ungefähr genau so hoch wie wenn man „Berlin Tag und Nacht“ guckt.
Gottes Flamme brennt jedenfalls noch nicht in meinem Herzen.
Und Jesus ist meines Erachtens nach wie vor seit 2000 Jahren tot.

Das Bild zeigt nochmal unser Haus in Dukwi von außen. Ist ganz hübsch wie ich finde.
Im Hintergrund könnt ihr sehen wie es grünt. Das Foto ist von Flo nach den ganzen Regenfällen geschossen worden.

Ich werde mich wohl frühestens Ende nächster Woche wieder melden, in Otse gibt es nämlich kein Internet.

Bis dann und mal wieder sozialistische Grüße!

Josh, Gaborone, 21.10.2012