Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

Ein Funken Hoffnung.

Ich gebe zu, so richtig dran geglaubt habe ich nicht mehr. Doch es sieht so aus als ob sich der Nebel langsam lichtet und ein Lichtstrahl sich seine Bahn bricht.
Flo und ich haben die Arbeits- und Eintrittsgenehmigung für das Flüchtlingslager.
Jedenfalls wurde uns das gesagt, in Händen halten konnten wir sie noch nicht.
Da wir aber zum einen vom Settlement Commander des Flüchtlingslagers und zum Anderen aus dem Headquarter des BRCS und von Tshepo selbst die Bestätigung hierzu erhalten haben, gehe ich davon aus, dass die Genehmigung wirklich existiert.
Jetzt warten wir noch auf unser Visum, respektive unseren Waiver, der als Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung für Freiwilligendienstleistende gilt.
Am Ende der Woche soll auch dieser in unseren Händen liegen, oder zumindest eine Übergangsgenehmigung. Ich bin gespannt!
Wir hatten ausführliche und lange Gespräche mit Herrn Kühn und er versicherte uns jetzt noch einmal persönlich, dass wir wohl auch ohne Waiver und Übergangsgenehmigung arbeiten bzw. unseren Dienst ableisten dürfen. Wofür wir dann allerdings die Übergangsgenehmigung brauchen konnte er uns bis jetzt auch nicht sagen, es hat sich also noch nicht alles aufgeklärt, zumal uns die deutsche Botschaft ja Gegenteiliges berichtete.
Nach einer gemeinsamen Tour durch die verschiedenen Arbeitsstätten aller deutschen Freiwilligen haben Flo und ich uns nun doch noch entschlossen, den Sprachkurs bis zum Ende durchzuführen.
Ich bin zwar nach wie vor der selben Meinung wie in meinem vorherigen Blogeintrag, der Kurs ist aber bezahlt und wir werden während dessen wohl auch die Möglichkeit haben uns mal das Parlament Botswanas anzuschauen. Das reizte mich dann doch.
Während einige Arbeitsstätten in denen das BRCS aktiv ist, mich während unserer Tour nicht sonderlich begeistern konnten (Organisation, geschultes Personal und die langfristige Perspektive der Arbeit in diesen Einrichtungen haben m.E. gefehlt), gab es aber auch Einrichtungen, die mich sehr überzeugt haben.
Besonders zwei Rehabilitation Center, Einrichtungen bzw. Schulen für geistig und körperlich behinderte Kinder, beeindruckten mich.
Gut eingerichtete Institutionen, mit motiviertem Personal bestückt. Natürlich muss man da einen anderen Maßstab ansetzen als bei uns in Deutschland, aber nach all dem Ärger mit dem BRCS und Volunta war es in jedem Fall schön, auch mal die gute und sinnhafte Seite des BRCS, seiner Projekte und unseres Aufenthalts/Dienstes hier zu sehen.
Die Kinder dort waren jedenfalls begeistert von uns, haben uns angestarrt und angefasst.
Ein kleiner Kerl war ganz fasziniert von meiner Armbehaarung und die Mädels wurden als wunderschön deklariert. Auch schon bevor ein weiterer Zwockel Sophies Rock hochhob.
Gut behandelt werden die Kinder dort also im Großen und Ganzen.
Wenn sie nach dem Wochenende wieder in die Schule kommen, werden sie z.B. erstmal auf Sauberkeit kontrolliert und wenn es nötig ist auch gewaschen und „hergerichtet“.
Denn manche Eltern sehen ein behindertes Kind hier zu Lande leider als „Schande“ an und lassen es verwahrlosen. Teilweise sind sie aber auch einfach überfordert.
Schlimm finde ich, dass Sophie und Shenja uns erzählten, Kinder würden in diesen Einrichtungen ab und zu auch geschlagen werden wenn sie sich nicht benehmen oder auch mal wenn sie das ABC nicht aufsagen können.
Den Leuten hier zu zeigen, dass man sich auch anders Respekt verschaffen kann bzw. es auch andere Formen der Maßregelung gibt, ist wohl ein Prozess der Zeit braucht, ein Prozess den man aber trotz allem anstoßen muss und sollte.
Nach geschätzten 600 Kilometern auf von billigen chinesischen Unternehmen geteerten Straßen, die bei genauerem Hinschauen bzw. Drüberfahren doch nicht so gut sind, wie sie mir erstmals erschienen, massive Qualitätsmängel aufweisen und immer wieder aufbrechen, kamen wir auf unserer „Rundfahrt“ auch in Dukwi an. (Die Leute der deutschen Botschaft haben uns zu eben jenem Thema gesagt, dass die Chinesen hier sehr aktiv sind, wie man ja beim Thema Xinhua schon mitbekam, aber die Qualitätsmängel ihrer Arbeit wohl mittlerweile auch der botswanischen Regierung zu denken geben).
Es war schön nach knapp drei Wochen mal wieder dort zu sein.
Die letzte Zeit hatte es wohl auch dort verhältnismäßig viel geregnet, und nun ist es um einiges Grüner, ich bin gespannt wie das in der Regenzeit wird, wenn es jetzt schon so auffällig sprießt und sogar teilweise Gras aus dem Boden wächst.
Gespräche hatten wir in Dukwi dann mit dem Settlement Commander, der dortigen Koordinatorin des UNHCR und natürlich mit Tshepo.
Auch eine Rundfahrt durch das Flüchtlingslager gab es, das erste Mal sahen Flo und ich also das gesamte Camp.
Es besteht doch Mehrheitlich aus festen Behausungen (wenn man Blech- und Lehmhütten als solche ansieht), meist ohne fließend Wasser und Strom.
Es sind aber auch immer wieder Zelte darunter. Not macht aber bekanntlich erfinderisch, und so versuchen einige Flüchtlinge sich durch Solarpanele auf dem Dach mit Strom zu versorgen.
Es gibt einen Fussballplatz, eine kleine Klinik und eine Versammlungshalle in welcher diverse Aktionen mit der Community stattfinden.
Gärten wurden auch angelegt damit die Flüchtlinge sich selbst versorgen können, denn die Monatsrationen die sie vom UNHCR bekommen, sind nur auf das Mindeste beschränkt.
Das Gemüse verkaufen die Flüchtlinge dann teilweise in ihren eigenen Geschäften und verdienen sich so Geld hinzu um sich weitere Lebensmittel etc. zu kaufen.
Durch diese Maßnahme sind auch die Wasserkosten des Camps explodiert, denn die Pflanzenbewässerung muss in einer trockenen Gegend wie Dukwi natürlich sehr viel intensiver vorgenommen werden als in Nordeuropa.
Der Flüchtlingszustrom in das Lager ist laut Settlement Commander immer noch konstant, er sagte etwas von acht Anfragen pro Woche.
Alle Leistungen die Gesundheitsversorgung und Jugendarbeit abdecken werden vom BRCS durchgeführt, mit finanzieller Unterstützung des UNHCR, aber den ausführenden Teil im Camp übernimmt größtenteils das BRCS.
Organisatorisches und Koordination im Camp übernehmen das UNHCR und der Ableger des Ministry of Defence, Justice & Security.
Es gibt dort aber noch eine weitere Organisation, Skillshare genannt und aus den USA, die Weiterbildungskurse für die Flüchtlinge anbietet. So können diese dort z.B. Töpfern, Backen, Nähen usw. lernen.
Auch ein Internetcafé wird von Skillshare geführt.
Nachdem wir also unsere Arbeitsstätte komplett besichtigen konnten, sind wir nun wieder in Gaborone.
Jetzt werden wir bis zum 29. Oktober den Sprachkurs in Gabs zu Ende bringen, auf den Waiver warten und dann endlich unsere Arbeit im Flüchtlingslager beginnen.
Mit Tshepo werden wir dann, vor Ort im Camp, unsere Arbeitsfelder genauer austarieren und Arbeitspläne erstellen.
Ideen für spezielle Projekte habe ich auch schon, Ideen bei denen ich auch vorhabe euch einzubinden meine lieben Leser! Ich hoffe auf rege Beteiligung ;).

Bis dahin aber erstmal Grüße aus Botswana! Ich melde mich wieder wenn die Situation mit unseren Genehmigungen und Waivern sich weiter oder endgültig aufklärt.
Es ist gut, zumindest wieder eine Perspektive und einen Funken Hoffnung für unseren Verbleib und unsere Arbeit in Botswana zu haben.
Eine gehörige Portion Skepsis ist allerdings noch Vorhanden, es ist zu viel schief gelaufen die letzten Wochen, als das sich all unsere Kritik und Befürchtungen in Luft aufgelöst hätten.

Das Bild, geschossen von Feli, muss man glaube ich nicht Kommentieren, einfach Afrika ;).

Wer Fragen hat, Kontakt mit mir aufnehmen will oder einfach nur ein bisschen labern möchte, erreicht mich unter:

eMail: josh@seger-online.eu
Mobil: 0026774038363
Josh, mal wieder in Gaborone, 17.10.2012