Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

How school becomes KNAST, eine Rundreise etc. pp..

Botswana, Bildungspolitik, Lehranstalt, Kapitel 1: Wie man Schule ganz simpel zu einem autokratisch geführten Gefängnis umfunktioniert.

(Zur Info: Die Dukwi Junior Secondary School ist teils auch ein Internat, und war eigentlich in den 80ern im Flüchtlingslager installiert worden, ein Jahr später wurde die Schule nach Dukwi selbst verlegt, so dass auch die Kinder im Dorf von ihr profitieren können.
D.h. Flüchtlinge und Dorfbewohner sind zusammen in dieser Schule)

Man nehme folgende hier für Schüler existierende und praktizierte Schulregeln:

1. Trage deine Haare nicht offen, bestmöglich kurz. Auch als Mädchen.
2. Es ist verboten deine Haare zu Gelen, Haarspangen sind nicht erlaubt, nur Haargummis.
3. Wenn du die Haare länger trägst müssen sie immer gekämmt und ordentlich sein.
4. Wehe dein Rock ist zu kurz, das wird zwar geduldet aber gesellschaftlich geächtet.
5. Trage immer deine Schuluniform welche genau den Bestimmungen der jeweiligen Schule zu entsprechen hat. Diese Schuluniform muss, wie der Schüler selbst, immer rein und präsentabel sein.
6. Es ist dir untersagt in den Pausen, auch in den langen Mittagspausen, das Schulgelände zu verlassen.
7. Benutze keine vulgäre Sprache.
8. Habe bestmöglich keine Liebesbeziehung. Das würde die hohen moralischen Standards der Schule verletzen.
9. Handys und alle anderen Geräte welche in der Schule verboten sind werden nicht nur konfisziert, nein du bekommst sie auch nicht zurück, sie werden auf einer Auktion versteigert. Der Erlös kommt der Schule zu Gute.
10. Wer im Internat interniert ist, hat unter der Woche morgens um 5.00 Uhr aufzustehen, seinen Raum und sich selbst zu säubern um spätestens um 6.15 Uhr am Frühstück teilzunehmen.
11. Schulbeginn ist übrigens um 6.45 Uhr, Schulende um 15.30 Uhr, es sei denn du bist im Internat, dann „darfst“ du nochmal um 18.30 – 20.00 Uhr zur Abendschule antreten.
12. Um 21.00 Uhr sind die Lichter aus, Samstags darfst du großzügigerweise erst um 22.00 Uhr das Licht löschen um Sonntags zum PFLICHTGOTTESDIENST um 10.00 Uhr anzutanzen.
13. Als internierter Internatsschüler darfst du das Gelände natürlich verlassen. Einmal in der Woche, Samstags von 9.00-12.30 morgens.
14. Selbst wenn du ein Zimmer im Internat belegst bzw. eine Wohnung, darfst du auch dort kein Handy haben. Du darfst dir auch kein eigenes Essen kaufen (Schulfras ist ja auch viel besser), geschweige denn dir einen Herd o.Ä. anschaffen.
15. Gehe niemals in ein Zimmer bzw. eine Wohnung des anderen Geschlechts.
16. Da du ja interniert bist, darfst du natürlich an den Innenzaun gehen und dir die freie Welt anschauen, aber rede bloß niemals zu Leuten die außerhalb des Zauns stehen!
17. Für den Service des Internierens, Bewachens, Verbietens und die Restriktion sämtlicher Freiheiten bezahlst du natürlich auch noch: 30€ im Jahr (das ist hier gar nicht mal so wenig) , + 6€ um den Schuleigenen Fonds zu unterstützen, + 2€ für einen Schülerausweis den du verpflichtet bist zu haben, + deine Schuluniform die du selbst zahlst. Wer sich aus dem Ausland freiwillig internieren lässt, zahlt 300€ im Jahr.
18. Da wir hier ein Genderproblem haben, schreiben wir noch einen extra Absatz zum Thema waschen der Kleidung in die Schulordnung: Jungen sollen ihre Kleidung selbst waschen und nicht den Mädels zum waschen geben.

Ja so schafft man eine freudige Lernatmosphäre! Die gelegentlichen Hiebe nicht zu vergessen.
Dies war ein Auszug aus der Schulordnung der Schule in der wir unseren Red-Cross School Club initiiert haben. Sarkastisch untermalt von mir, aber in seinem Inhalt genau so, absolut genau so!
Habe auch von anderen IJFDlern in Botswana gehört, dass solcher Umgang mit Schülern normal ist. In abgeschwächter Form kommt es wohl sogar in Schulen für Behinderte vor!
Schon hart oder ?
Flo und ich haben diese Schulordnung jedenfalls gebannt und ungläubig gelesen. Das erste mal überhaupt, dass ich eine Schulordnung von Anfang bis Ende gelesen habe. Sorry GAZ.
Jetzt könnt ihr euch vielleicht vorstellen, warum ich den drang habe in unserem Red-Cross School Club einiges anders zu handhaben und ein paar Rebellen zu erwecken ;).

Ein weiteres interessantes Ereignis (neben dem ersten, halbstündigen Regen seit 28 Tagen):

Botswana, Medizin, Kapitel 1,Behandlung von Halsschmerzen (wahrscheinlich dem massiven Einsatz von Klimaanlagen geschuldet):
Hose runter, zwei Spritzen Penicilin in beide Pobacken und gut ist. Naja wenns hilft ist das doch toll! :D

Während ich meinen Hals regeneriert habe, habe ich natürlich auch wieder Zeitungen gescannt, und was lese ich, hier gibt es eine Partei mit dem Namen „Marx,Engels,Lenin,Stalin Partei“ die MELS.
Sehr genial :D
Ist natürlich in der Opposition und soweit ich weis nicht im nationalen Parlament vertreten, aber dafür wohl minimal regional bzw. lokal.
Ich bin ja schon im letzten Blogeintrag auf die Zeitungen hier eingegangen, muss jetzt allerdings noch etwas hinzufügen.
Einen Auslandsteil haben die hier so gut wie gar nicht, maximal drei Artikel und dann geht es auch meistens über Südafrika oder China.
So etwas wie Syrien wird hier gar nicht beachtet, oder die US-Wahl. Dazu findet man in botswanischen Zeitungen herzlich wenig. In Südafrikanischen schon eher, aber die gibt’s nicht hier im Dorf, nur in der Stadt.
Entsprechend wissen die Leute auch nicht so ganz was um sie herum passiert. Wir arbeiten ja zur Zeit teilweise in der Schule und da musste ich dann einen Lehrer über den Syrienkrieg aufklären damit er das in seinem Debattierclub im Unterricht behandeln kann. Weil er darüber nichts wusste.
Also da sind doch ein paar Lücken.
Die Allgemeinbildung deutscher Jugendlicher hält sich zwar auch sehr in Grenzen (unterstes Niveau meines Erachtens, aber Hauptsache mal RTL2 und son Berlin Tag&Nacht ******* gucken!!!!), aber immerhin sind die Lehrer doch meist (nicht alle!, aber immerhin viele) informiert über das was so los ist in der Welt und können mit ihren Schülern auch darüber reden.
Das ist hier nicht so und durchaus dem Mangel an Informationsmöglichkeiten geschuldet.

Wir haben leider immer noch keine Arbeitsgenehmigung für das Flüchtlingslager. Die kommen hier nicht in die Pötte beim Ministry of Defence, Justice and Security. Beamte halt, Beamte in Afrika!
Deshalb sind Flo und ich zunächst nach Sefare gereist um Shenja und Sophie zu treffen, zwei andere IJFDler und dann, mit ihnen, nach Gaborone (Gabs) um alle anderen IJFDler zu sehen.
Des Nationalfeiertags wegen sind ja auch gerade Schulferien und so haben wir alle Zeit gefunden uns zu treffen.
Von Dukwi fuhren wir nach Francistown.
Von Francistown mussten wir nach Palapye fahren, ca. 2 Stunden mit dem Bus in Richtung Süden.
Busse, die großen jedenfalls, werden hier an bestimmten Checkpoints kontrolliert. Innere Grenzkontrollen sind das hier, hauptsächlich will man so wohl illegale Einwanderer aussondieren. Bestimmte Checkpoints sind aber auch errichtet worden, da man aus bestimmten Regionen, Malariaregionen, keine Lebensmittel mit in den Rest des Landes nehmen darf.
So ein Checkpoint ist z.B. ca. 15 Minuten von Dukwi entfernt, Richtung Westen.
Jedenfalls in Palapye angekommen, um 16.15 Uhr, wollten wir dann einen Bus um 17.00 Uhr nach Sefare nehmen. Auf besagten Bus haben wir bis 18.15 Uhr gewartet, danach, er war immer noch nicht da, versuchten wir zu Trampen, erfolglos. Das Ende vom Lied war, dass Shenja und Sophie uns mit ihrer Nachbarin abholen mussten, um 20.30 Uhr!!
Für die Wartezeit entschädigt hat uns dann immerhin die Fahrt hinten auf dem Pick-Up der Nachbarin, wunderbarer Blick auf klarsten Sternenhimmel und einen Mond der so hell scheint wie man es in Europa niemals sehen wird.
In Sefare angekommen konnten wir dann erleben, dass die Mädels hier Massen an Jungs anziehen.
Von Liebesbekundungen per SMS bis Anmache in der Bar ist alles drin! Wir haben uns dann einfach mal als ihre Freunde ausgegeben, hat die Sache extrem erleichtert.
Von Sefare ging es dann, um einige Erfahrungen und politische Analysen reicher (ich hatte es mal wieder nötig!!), am nächsten Mittag weiter nach Gabs.
Wir mussten trampen, zumindest bis in den nächsten größeren Ort, Mahalapye. Nach 45 Minuten nahm uns dann auch tatsächlich jemand mit und eine Stunde später waren wir am Busbahnhof Mahalaype.
Passt auf Leute, kommt ihr jemals dorthin trefft ihr den unfähigsten Taschendieb der Welt. Ein Junge zwischen 16 und 17 Jahren. Lungerte die ganze Zeit um uns rum und schob sich an uns vorbei. Sehr oft wiederholte er diese Prozedur, ich hatte immer die Hände in den Taschen und den Kerl im Blick.
Irgendwann ist aufeinmal ein Knopf meiner Hosentasche auf und mein Reisepass liegt auf dem Boden und der Kerl guckt mich an. Der Geldbeutel noch in meiner Tasche.
Danach ist er erstmal zwei Meter geflogen und ich hatte den Pass wieder. Viel dümmer kann man sich nicht anstellen.
Drei Stunden später waren wir dann endlich in Gabs. Busfahren ist hier relativ billig, um direkt nach Gabs zu kommen hätten wir 100 Pula bezahlt, 10€ für 600-700 Kilometer ist nicht schlecht.
Lona, Feli und Cara haben ein richtig schickes Appartement, Elektrozaun, Alarmanlage, Fließen etc.
Echt gut, aber Flo und ich stehen auf den afrikanischen Flair unseres eigenen Hauses.
Ist aber echt gut gewesen mal wieder alle zu sehen und zu erfahren wie es bei ihnen so ist.
Nämlich auch ganz und gar nicht perfekt. Nicht ganz so mies wie bei uns, sie können ja immerhin arbeiten, aber so richtig gebraucht fühlen sie sich wohl nicht.
Da hab ich noch Hoffnung, es gibt echt ein paar Felder die wir in Dukwi beackern können, wenn wir denn endlich mal dürften.
Montag waren wir dann in einer anderen Welt. Eine Freundin von Lona hatte uns auf eine Garten- respektive Poolparty eingeladen.
Wir waren in einem absoluten High-Class Viertel! Riesige Anwesen mit Rasen (!), 5 Autos im Hof etc..
Der Innenraum des Hauses war ebenso beeindruckend wie der Garten. Einen Blick und einen Abend war es definitiv Wert. Dieser Besuch hat sich gelohnt. Denn gerade da wurde uns bewusst, auch hier in Botswana gibt es zwei Welten, zwei Welten die auch strikt von einander zu trennen sind.
Während die gebildete Oberschicht sogar untereinander nur English redet, in eigenen und abgetrennten Vorstädten mit Golfplätzen etc. wohnt, sieht es bei der ungebildeten Klasse anders aus. Nur wenige dieser Menschen, die der Arbeiterklasse entspringen, gehen auch wirklich studieren.
Die Kluft zwischen Arm und Reich ist also vorhanden und sie ist groß.
Das Problem ist wahrscheinlich ganz gut mit Süd-Afrika vergleichbar, aber wir steuern ja auch in Europa und den Vereinigten Staaten zielstrebig auf eine solche zwei bis drei Klassengesellschaft zu.
Trotz alledem waren wir beeindruckt, dass muss ich zugeben, und einen tollen Abend mit netten Leuten hatten wir auch! Ich denke auch, wenn wir wieder in Gabs sind, werden wir sie wieder treffen, denn es ist nun mal sehr interessant sich auch mit Leuten zu unterhalten die hier studieren und etwas tiefer in die Materie der Politik etc. eintauchen können, mit denen man eben auch mal wirklich ein inhaltsvolles Gespräch führen kann. Das macht schon Spaß und man nimmt einiges an Infos mit.
Nach diesen Eindrücken sage ich auch mal wieder tschüssi, sitze immer noch in Gabs bei Wimpys (sowas wie McDoof nur besser) und werde bald weiterfahren nach Kanye zu Malte und Lisa.
So eine Rundreise ist ja auch was tolles, nicht wahr?!!
Ich denke ich werde mich aus Dukwi wieder melden.

Das Bild zeigt eines unserer Schlafzimmer. Hier ist es Flos. Fliegennetz ist rustikal mit Panzertape angebracht. Entsprechend wacht man Nachts manchmal auf und hat das Netz im Gesicht liegen.

Josh, Gaborone, 02.10.2012