Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

XINHUA, Kondommangel und diverses Andere

Ja Leute, was ist XINHUA und was hat das mit Botswana zu tun?
Xinhua ist die staatliche Nachrichtenagentur Chinas. Warum komme ich auf sowas in Botswana?!
Als informationslüsterner Mensch kaufe ich mir auch hier in Botswana ab und zu mal ne Zeitung. Wobei ich hier noch keine Tageszeitung entdeckt habe, das sind alles nur Wochenzeitungen, und alle vollgestopft mit Werbung. Auch die Qualität der Artikel ist teilweise bescheiden.
Naja das wäre nicht sonderlich schlimm, aber nun musste ich feststellen, dass eine dieser Zeitungen, nämlich die „Global Post“, wohl massiv durch China gelenkt zu sein scheint.
Vier oder fünf Artikel sind von XINHUA selbst verfasst, die lauten dann ungefähr so: „Mugabe hails relations with China“. Ja ist ja schön für Mugabe und China, schön ist auch, dass Mugabe ein Autokrat ist und seit über 20 Jahren Simbabwe in festem Griff hat. Wird natürlich nicht erwähnt, Mugabe ist einfach nur „Zimbabwean President“.
Mehrere Artikel sind in der Richtung geschrieben. Das fand ich ja schon sehr krass. Als ich dann aber noch sah, dass die chinesische Botschaft eine komplette Seite in der Zeitung bekommen hat, um ihre Position zur japanischen Annektierung einer Inselgruppe lang und breit auszuführen, wars vorbei!
Diese Zeitung kaufe ich nicht mehr! Ich find es schon ziemlich hart, dass die hier als seriöse Wochenzeitung verkauft wird bzw. verkauft werden darf. Jemand der nicht so viel Zeitung liest und keine solche Presse wie in Deutschland hat, hat glaube ich dann ein ziemliches Problem zu erkennen, dass diese Artikel alle in eine Richtung gepolt sind. Und das sind sie, ganz klar.
Chinas Einfluss wächst, in jedem Bereich und überall… so deutlich wie hier ist es mir aber noch nicht Aufgefallen.
Ihr erinnert euch sicher auch noch an meinen letzten Blogeintrag zum Thema Beschneidungen etc..
Seit Freitag weiß ich jetzt auch warum man sich hier im Flüchtlingslager so massiv für Beschneidungen einsetzt.
Es gibt zu wenig Kondome. Im ganzen Land werden die Dinger kostenlos verteilt, aber im Flüchtlingslager gibt es zu wenig Kondome!!
1000 Kondome im Monat für 3500 Flüchtlinge. Das ist ein bisschen wenig.
Brecht das mal runter. Ca. 2500 Erwachsene im Lager, die nicht nur einmal im Monat Sex haben… ihr seht worauf das hinausläuft. Und natürlich kann man die Leute nicht zu Sexverzicht aufrufen.
Statt aber dieses, m.E. logistische Kondomproblem zu lösen, setzt man nun also auf Beschneidungen, nach dem Motto „Besser 60% geschützt als gar nicht“, ich bin nach wie vor nicht davon überzeugt.
Ich muss da nochmal nachhaken, Kondommangel sollte doch ein lösbares Problem sein. :D
Am Mittwoch sind wir auch erstmals weiter in Richtung Westen gefahren. Zu einem Internat in dem Dorf Nata.
Um eine Sonnenbrille abzugeben die jemand im Camp vergessen hatte!
Nach 20 Kilometern vertrockneter Bäume am Straßenrand kam die Steppe. Weites verbranntes Gras erstreckte sich vor uns. Es geht in Richtung der Nationalparks, das merkt man dort sehr deutlich.
Auch wenn das Ziel der Fahrt, die Sonnenbrille abzugeben, sich mir nicht wirklich erschlossen hat, denn warum muss man zu dritt losziehen und eine Sonnenbrille abgeben?, so hat sich der kleine Ausflug mit Blick auf den Anfang der Steppe doch gelohnt.
Das Internat selbst hat Flo und mich erstmal ziemlich doof gucken lassen.
Mitten in einem Dorf mit ungeteerten Straßen steht da eine riesen Anlage, alles Betoniert oder gepflastert. Ein riesen Komplex im Ödland, der 2011 eröffnet wurde.
Aber gut ich war auch schon in Las Vegas und das ist ja nochmal einige Nummern perverser. :D
Zudem musste die Schule wohl errichtet werden, weil im Umkreis von 50 Kilometern keine andere Schule existiert und da haben sich die Bauherren wohl mal gedacht: „Wenn, dann richtig!“.
Ab Freitag haben wir ein langes Wochenende, da am 30. September Nationalfeiertag ist.
Day of Independence. Die Schulen sind sogar die ganze nächste Woche dicht.
Am 30. September 1966 erlangte Botswana nämlich die Unabhängigkeit von Groß-Britanien. Wohl auch nur, weil die Briten damals nichts von den massiven Diamant-, Kupfer- und Kohlevorkommen hier wussten.
Mit dieser positiven Aussicht auf ein langes Wochenende schließ ich die Sache auch mal wieder ab, diesmal ein bisschen kürzer als sonst, aber das mit Xinhua musste ich loswerden!

Das Bild zeigt unser Wohnzimmer.

Josh, 26.09.2012, Dukwi