Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

Nicht mehr ganz tatenlos

Zwei Wochen sind Flo und ich jetzt schon hier. Zwei Wochen in denen wir wenig bis nichts arbeiten konnten, da wir immer noch keine Arbeitsgenehmigung vom „Ministry of Defense, Justice and Security“ haben.
Gut, ich habe zwei fünf Liter Wasserbehälter mit Sand gefüllt und in Hanteln umfunktioniert und wir haben aus den ständigen Strom- und Wasserausfällen gelernt. Jetzt haben wir eine Wanne voll mit Wasser für „Notfälle“. Fürs Klo, Duschen, Waschen, Kochen etc..
Revidieren muss ich leider die Aussage zu den billigen Lebensmitteln in Botwana.
Hier in dem Kaff ist alles sehr sehr teuer. 1,60€ für einen Liter Milch und 4,20€ für eine Packung Kellogg‘s. Ich würde ja auch billigeres Müsli kaufen, ist ja nicht so, dass ich unbedingt Kellogg‘s brauche, aber hier gibt’s nichts anderes! Nur die Fleischpreise halten sich im Rahmen. Hehe :D.
Des Weiteren begutachteten wir unseren Arbeitsplatz, das Jugendzentrum. Eine Langhalle mit einem Billardtisch ein paar Büchern und einem Fernseher.
Im Moment sind wohl einige Jugendliche dabei ein Theaterstück zum Thema AIDS vorzubereiten.
Ziemlich viel Lesestoff zum diesem Thema, AIDS, wurde uns an die Hand gegeben, ebenso zum Flüchtlingslager selbst und auch zu Gewalt gegen Frauen, Kinder, Ethnien und Anhänger bestimmter Religionen (das alles scheint hier wohl ein großes Problem zu sein) bekommen. Aber ansonsten konnten wir bis dato wenig tun.
Seit letztem Donnerstag gab es dann immerhin einen Lichtblick.
Es sieht so aus, als würden wir nicht nur im Flüchtlingslager arbeiten können, sondern ab nächster Woche auch in Dukwi selbst, genauer gesagt in der Secondary School dort.
Wir werden dort einen Red Cross School-Club gründen und leiten und auch am Peer-Education-Club teilnehmen.
Montag haben wir die Schule dann auch erstmals besucht.
Der Peer-Education-Club hat mich beeindruckt, denn es gibt wirklich diverse junge Leute, die die Situation und auch die Allgemeinbildung ihrer Mitschüler verbessern wollen, sie aufklären und auch gegen Gewalt an der Schule vorgehen wollen.
Leider musste ich Montag aber auch die konservative Seite Botswanas kennenlernen.
Wie in Südafrika ist es in Botswana erlaubt, Schüler zu schlagen wenn sie frech waren oder etwas total falsch oder gar nicht machen.
Da bekomm ich Wut! Ich denke auch in der Richtung werden wir etwas im Red Cross School-Club machen.
Generell gibt es hier so ein paar Sachen die für meine Sinne zu konservativ sind, viel zu konservativ.
So hängt z.B. in fast jedem Geschäft und jedem Büro ein Bild des Präsidenten.
Sowas weckt Bilder in mir die nicht gut sind, aber ich glaube auf die Leute hier hat das nicht diese Wirkung, ist wohl normal. Aber definitiv nicht mein Ding.
Und ich habe auch die Sünde über mich gebracht mich auf das Fundament eines Fahnenmastes zu stellen auf dem die Botswanische Flagge wehte. Wohlgemerkt auf das Fundament des Fahnenmastes, nicht auf die Fahne oder den Mast selbst!
Ich wurde dann gleich mal davon runter geschickt, hab erst gar nicht kapiert warum… Sehr konservativ eben…
Dafür habe ich Donnerstag zuvor auch eine weitere schöne Seite Botswanas entdeckt. Eine Sache die in jedem Teil der Welt schön ist! Fußball!! Das erste Mal seit mindestens 2 Monaten hab ich wieder richtig Fußball gespielt!
Gut der Platz hier ist eine Staubpiste, es gibt keine Linien und Tornetze, aber es hat richtig spaß gemacht!
Ich bin jetzt auch in einem Team, werde hier also in so etwas wie einer Liga spielen.
Wobei ich glaube, dass das hier nicht wirklich eine Liga ist, sondern monatliche Turniere.
Die Sache ist nur, das ist ein Lehrerteam!! Die spielen aber zum Glück alle um einiges besser als Raoul!
Training besteht hier einfach aus einem eineinhalbstündigen Spiel.
Und nach dem Training könnte man meinen man wäre im Bootcamp gewesen. Dreckig und Blutig! Männlich! :D
Hauptsächlich spielen wir hier gegen Teams von Mienenarbeitern.
In Dukwi wohnen äußerst viele Minenarbeiter, ungefähr fünf Kilometer von hier Richtung Francistown ist nämlich eine Kupfermine. Viele von diesen Minenarbeitern wohnen auch nur unter der Woche hier und fahren am Wochenende dann wieder nach Hause. Deshalb sind die Lebensmittelpreise in dem Dorf hier auch so hoch.
Während ich am letzten Donnerstag jedenfalls voller Elan auf dem Spielfeld gestanden habe, hat Flo außen gehockt und wurde von Massen an kleinen Kindern umringt.
Spätestens seit Donnerstag also weiß das ganze Dorf hier, dass zwei Weiße in Dukwi sind.
Für die Kleinen wohl ein Highlight, Tshepo hat auch gemeint, dass viele Kinder im Dorf wahrscheinlich noch niemals zuvor einen Weißen gesehen haben. War ganz lustig und am Freitag auch schon ein Stück besser, man gewöhnt sich also an uns. :D
Ich bin seit meinem ersten Spiel hier auch nicht mehr der „Josh“ oder so, nein ich bin einfach „Keeper“.
Leider gibt es hier auf dem Land auch noch diverse Stigmata, aber ich denke bei der Vergangenheit die Afrika hinter sich hat, geschuldet durch uns Europäer, ist das auch teilweise verständlich.
Weiße sind hier nämlich grundsätzlich reich, das ist einfach so, du bist weiß, also bist du reich. Punkt.
Entsprechend wurden wir schon gegrüßt als „rich white men“, und diverse Male auch angegraben ob wir denn Geld hätten.
Die Leute mit Bildung und auch sehr viele (nicht alle) junge Erwachsene sind glücklicherweise ein Stück weiter und haben diese Einstellung nicht. Aber gerade daran sieht man, dass Bildung der Punkt ist, der die Bevölkerung spaltet.
Studieren ist hier natürlich nicht kostenfrei.
Interessant wurde es auch letzten Freitagmittag, da eröffnete ich Tshepo und diversen Rotkreuzmitarbeiterinnen, dass ich nicht an Gott glaube.
Ja, da haben die Damen erstmal geguckt.
Ich sollte nämlich zum Abschluss eines Meetings ein Gebet sprechen, diese Ehre musste ich dann eben freundlich ablehnen und erklären warum. Ich habe dann immerhin noch gesagt, ich könne mit ihnen hoffen, aber nicht beten.
Tshepo meinte kurz danach sie habe erstmal ganz schön geschluckt, denn wie sich jeder denken kann, bin ich hier eine Ausnahme, aber ich denke eine durchaus geduldete.
Wir haben dann auch ganz normal darüber geredet wie es hier in Deutschland ist und dort der Atheismus ganz normal ist und immer mehr junge Leute, ob getauft oder ungetauft, nicht mehr an Gott glauben.
Übrigens findet Tshepo die Aussagen unseres Papstes zu Kondom Gebrauch bzw. eben Nichtgebrauch auch äußerst schwachsinnig. Okay, das war nicht der Wortlaut,
aber so in die Richtung ;). Man kann also auch hier über Gott diskutieren.
Eine der Hauptaufgaben des Roten Kreuzes in Botswana ist ja gerade Aufklärung zu AIDS.
Am Wochenende hatte ich mit Flo in diesem Zusammenhang auch einen Flyer für eine Veranstaltung zum Thema Beschneidung kreiert. Ein wahres Kunstwerk….Nicht!
Diesen Freitag findet im Camp nämlich eine Veranstaltung zu diesem Thema statt, die unter anderem Aussagen soll, dass Menschen die Beschnitten sind äußerst normal sind.
Zum Thema Stigmata habe ich ja weiter oben gerade geschrieben…
Außerdem meinte unsere Frau Doktor im Camp, dass Beschneidungen das Risiko AIDS zu bekommen um 60 Prozent reduzieren können. Weil in der Vorhaut wohl irgendwelche Zellen sind, die auf das HI-Virus sehr gut anspringen. Entsprechend soll die Veranstaltung Beschneidungen wohl auch etwas bewerben.
Ich weiß jetzt nicht ob die Aussage „Beschneidungen reduzieren das AIDS-Risiko um 60 Prozent“ stimmt, aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass man auch aus solchen Gründen keinen Menschen beschneiden muss, wozu gibt’s Kondome? Da hat man nicht nur 60 Prozent Sicherheit, sondern 90.
Jedenfalls gibt es auf der Veranstaltung am Freitag auch Aufführungen, Tänze, Gedichte und Theater.
Dazu hat das Rote Kreuz im Camp einen Wettbewerb veranstaltet, da konnten sich verschiedene Gruppen für einen Auftritt am Freitag qualifizieren. Die Ausscheidungskämpfe waren am Mittwoch und Donnerstag.
Flo und ich haben in der Jury gehockt. Weil wir so ein untrügliches Gespür für Kunst haben. ;)
War eine coole Erfahrung, es haben zwar fast nur Kinder bei den Wettbewerben mitgemacht, da die Erwachsenen nicht so ganz für so etwas zu begeistern sind, aber die hatten alle einen riesen Spaß und haben gefeiert. War richtig schön anzuschauen!
Und wir hatten unseren ersten Job im Camp! Heyhey! :D
Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns auch etwas im Camp umschauen.
Hier kann ich die Aussage zu den festen Behausungen für Flüchtlinge im Camp nun ebenfalls wieder teilweise revidieren.
Die Leute wohnen durchaus auch in Zelten oder Blechhütten. Fließend Wasser und Strom gibt es auch nur an bestimmten Orten.
Wobei der Strom auch in Häusern mit Strom alle 4 Tage mal ausfällt. In den zwei Wochen in denen wir hier waren ist er jedenfalls jetzt zum 4ten mal ausgefallen.

Ja so sieht es aus hier, ich denke ich bin jetzt etwas mehr in der Realität Botwanas angekommen als noch eine Woche zuvor. Das ist gut so! Ich melde mich wieder wenns was Neues gibt!

P.S.: Bilder vom Flüchtlingscamp werde ich euch leider nicht liefern können, Fotografieren ist dort verboten, da auch diverse politische Flüchtlinge, Asylsuchende usw. sind.
Die könnten durch unsere Bilder gefährdet werden.
Dafür gibt’s ein Foto von dem Highway der durch Dukwi in Richtung Flüchtlingslager geht. Inklusive vertrockneter Bäume die hier überall am Straßenrand sind. Es geht ja auch in Richtung Wüste.
So ziemlich alle Fotos die ich euch liefer sind von Flo, ich bin nicht so der Fotomensch.

Josh, Dukwi, 19.09.2012