Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

Dukwi

Nach zweitägigem Vorbereitungsseminar befinde ich mich nun auf dem Weg nach Dukwi.
Das Seminar, vor allem der letzte Tag, hat uns diesmal doch so einiges an Infos mitgegeben.
Sieht wohl so aus als würde die Chance bestehen in einem Youthcenter im Flüchtlingslager zu arbeiten, das wäre eine Sache die ich gerne übernehmen würde.
Ghomolemo, welche uns schon in Deutschland auf unserem Vorbereitungsseminar besucht hat, ist im Headquarter des Botswana Red Cross für uns zuständig.
Sie ist eine Art Schutzengel für uns und hat diverse Mädels beruhigt die nach den ganzen Infos doch etwas beunruhigt waren.
Unsere Projektkoordinatorin in Dukwi wird Tshepo sein, sie hat genau den gleichen Namen wie unser Fahrer, ich weiss… bis jetzt hat sie einen superfreundlichen Eindruck gemacht und ist auf alle unsere Fragen eingegangen.
Auch haben wir nocheinmal ein paar Grundinfos an die Hand bekommen.
Die Mädels sollten hier vermeiden in zu kurzen Röcken oder im gar im Top rumzulaufen, a „Beautiful White Woman“ hat hier doch so einiges an Anziehungskraft für Gut und Böse…
Auch weiß ich jetzt welche Taxen und Busse zu benutzen sind und welche nicht.
Taxen und Busse, welche hier einfache weiße Kleinbusse sind, sollten ein weißes Nummernschild mit blauer Schrift haben, dann sind es nämlich durch die Regierung zugelassene öffentliche Verkehrsmittel.
Rote Nummernschilder haben Regierungsfahrzeuge und das Militär.
Bei allen anderen Autos sind die Nummernschilder vorne weiß, wie bei uns, und hinten Gelb, wie in Frankreich oder England.
Bezahlt wird hier wie schon erwähnt in Pula (wäre bei uns der Euro) und Thebe ( wäre bei uns der Cent).
Taxen sollten nicht mehr als 3,90 Pula kosten (39 Eurocent), Kleinbuse nicht mehr als 3,25 Pula (33 Eurocent) und wenn man ein Taxi für sich alleine bestellen will, ohne das andere hinzusteigen kostet das 20 Pula (2 Euro).
Gewappnet mit diesen Infos und nach einer 650 Kilometer langen Fahrt stehe ich nun vor dem Haus, welches für 11 Monate mein neues Zuhause sein wird.
Die Besonderheit an einer Fahrt von 650 Kilometern in Botswana ist: WIR HABEN EINFACH MAL 2 TAGE DAFÜR GEBRAUCHT!
Gegen Abend meinte Tshep (der Fahrer) nämlich: „Ja es wird dunkel und wenn wir jetzt bis Dukwi fahren dann sind wir zu spät da.“ –OKAY! African Time halt. Haben wir uns eben erstmal in ein Hotel in Francistown, der zweitgrößten Stadt in Botswana, einquartiert, kann ich mit leben.
In Afrika ist eben nichts so wie man es im Voraus geplant hat.
Finde ich irgendwie ziemlich entspannend.
Die Sache hat aber schon halbwegs Sinn gemacht, den Strom zahlt man hier nämlich Prepaid, und wir haben noch keine Karte für den Strom, also wären wir tatsächlich in totaler Dunkelheit in unserem neuen Zuhause gewesen und mit einem Tag mehr in einem Hotel kann man ja doch ganz gut leben ;).
Außerdem konnten Flo und Ich das erste Mal einen großen Teil zur interkulturellen Verständigung beitragen.
Wir spielten Tshep während der Fahrt Frei.Wild, Rammstein, Scooter, Die Atzen etc. etc. vor.
Rammstein fand er „Marvelous!“! Disco Pogo wollte er haben!
Jetzt kennt er „German Hard-Rock“ und hat DIE ATZEN auf seinem USB-Stick, ist doch auch was.
Nunja, so kamen wir also nach Dukwi bzw. ins Flüchtlingslager.
Morgens um 9 Uhr trudelten wir ein uns saßen bis vier Uhr mittags im Headquarter des Roten Kreuzes bis wir dann unser Haus beziehen konnten.
Das Flüchtlingslager ist wirklich total anders als man sich ein Flüchtlingslager vorstellen würde, feste Behausungen, nichts ist eingezäunt, jeder kann also eigentlich überall hin.
Die Behausungen haben zwar kein fließend Wasser aber es ist in keinem Fall eine eingepferchte Zeltstadt.
Es gibt eine Grundschule, einen Kindergarten und ein Jugenzentrum.
Die Flüchtlinge selbst betreiben sogar kleine Geschäfte, Obststände habe ich bis jetzt gesehen, einen Friseur und ein Kiosk.
Die Läden werden größtenteils von Somaliern betrieben, Tshepo meint die haben hier den größten Geschäftssinn :D .
Viel mehr habe ich bis jetzt nicht vom Lager gesehen.
Wir selbst sind nicht im Lager untergebracht, sondern in Dukwi, ca. 2 Kilometer entfernt.
Ein schönes Haus, natürlich nach den Maßstäben hier… aber jeder hat sein eigenes Schlafzimmer, es gibt ein Klo, ohne fließend Wasser, eine Badewanne, keinen Duschkopf, ein Wohnzimmer und eine Küche in der der Herd noch angeschlossen werden musste.
Die Räume sind zwar durch Wände abgetrennt, aber nicht durch Decken.
Wir haben aber ganze coole Betten bekommen, nur sind die sogar für einen 1,79 Meter Pimpf wie mich etwas zu kurz.
Natürlich haben Flo und ich erstmal Moskitonetze aufgehängt und unsere Zimmer mit „Fast Kill“ eingesprüht, ein Schnakenvernichter! Einen coolen Namen hat das Zeug, und wirken tut es auch!
Nachdem wir uns halbwegs eingerichtet hatten, lud uns Tshepo zum Abendessen ein, die können hier alle so gut Kochen, der Wahnsinn!
Später sind dann noch die Ärztin, eine weitere Mitarbeiterin des Botswana Red Cross (BRC) und eine Mitarbeiterin des Verteidigungsministeriums bei Tshepo eingeschneit.
Die sind hier alle super drauf, auch noch relativ jung, wir hatten viel Spaß!
Tshepo hat gemeint wir sollen sie nicht unbedingt als Big Boss ansehen sondern eher als Big Sister, wir sind also in guten Händen.
Eine weitere Besonderheit der botswanischen Kultur kann ich euch auch mitteilen:
Es scheint hier nicht so zu sein, dass man mit der Familie dorthin zieht wo man arbeitet, sondern man lässt die Familie im Heimatdorf, die Kinder bei Oma und Opa, um dann arbeiten zu gehen.
Am Wochenende oder in den Ferien geht man dann zurück zur Family, ist also doch sehr anders als bei uns in Deutschland.
Tshepo selbst hat eine dreijährige Tochter und sieht sie wohl nur alle 2 Wochen am Wochenende, das ist schon hart, aber hier wohl normal.
Wenn man nach dem Vermieter unseres Hauses geht, muss man auch ein Haus in seinem Ursprungsdorf besitzen, da man ansonsten wohl mehr oder weniger das Ansehen in dem besagten Ursprungsdorf verliert.
Unsere erste Nacht war ganz entspannt, nur ist irgendwas auf unserem Dach rumgetanzt, ich glaub es waren Affen.
Und morgens um 5 Uhr kam halt einfach mal einer unserer Nachbarn ins Haus, die wohnen auf dem gleichen Grundstück wie wir und ihre Sicherungen sind wohl in unserem Haus!
Ich war grad wach und hab das mitbekommen, war schon nicht so ganz normal! :D
Um 7 Uhr kam dann der nächste „Besuch“, Maler, Maurer und Elektriker in Form von unserem Vermieter und seinem Neffen die dann anfingen rum zu hantieren.
Es wurde gestrichen, zumindest teilweise, und der Herd wurde angeschlossen.
Das Haus ist nämlich durchaus noch als Rohbau zu bezeichnen, nur von außen sieht es schon richtig fertig aus.
Jedenfalls marschieren hier alle einfach so ein und aus, ohne klopfen ohne nichts. Jeder hat irgendwie einen Schlüssel zu unserem Haus!! Muss man hier eben alles einfach eine Nummer entspannter sehen..
Freitag waren wir im eineinhalb Stunden entfernten Francistown und tätigten noch ein paar Einkäufe.
Hab mir mal ne Machete gekauft, gestern Morgen und Nacht waren eindeutig zu viele Menschen im Haus als das ich jetzt nicht skeptisch geworden wäre!
Außerdem bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass auf unserem Dach irgendwelche Paviane oder sowas in der Art waren.
Protection is everything my Fellows! Dieser Spruch trifft nicht nur auf die Benutzung von Kondomen (hab ich schon erwähnt das die hier kostenlos sind?) in Botswana zu ;).
Samstag waren wir im Flüchtlingslager auf einer Verabschiedungsparty für zwei Mitarbeiter des UNHCR. Zuvor gab es den ganzen Tag über keinen Strom und kein Wasser. Weder im Flüchtlingslager, noch in Dukwi selbst. Erst gegen Abend wurde die Sache dann behoben.
Die sind nämlich auch „Mitbetreiber“ des Lagers in Dukwi.
Alle Mitarbeiter des Camps sind, so erscheint es mir, eine ziemlich gute Truppe, die sich kennt und auch in der Freizeit zusammen etwas unternimmt.
Muss ja auch so sein, man ist ja hier ziemlich weit ab vom Schuss, ohne Familie und Freunde etc..
Wir hatten definitiv Spaß! Und ich glaube ich habe dort das beste Steak meines Lebens von einem Grill gegessen!
Sonntag haben Flo und ich dann einen ganz ruhigen Tag gehabt, unseren Nachbarn kennen gelernt, ein Hühnchen aus dem Kühlschrank weggeworfen welches nach Fisch gerochen hat (vermutlich wegen dem Stromausfall) und uns dicke Rumpsteaks gebraten. Natürlich vom Rind. 600 Gramm für 4,80€! Und die waren der Hammer! Also wie gesagt, Rind ist hier top! Wird ja auch nach Europa importiert was die hier so schlachten.
Heute soll ja nun eigentlich unsere erste Arbeitswoche beginnen, aber da wir noch keine Akkreditierung für das Camp haben, sind Flo und ich wieder einmal Zuhause und pflügen uns durch diverse Berichte des BRC, welche das Refugee Camp und die Arbeit dort beschreiben.
Hoffentlich geht es am Dienstag endlich richtig los!
Ich bin gespannt und melde mich mit neuesten News irgendwann diese oder nächste Woche wieder!
Das Foto zeigt den Blick aus unserer Haustür auf den Hof.

Josh, 10.09.2012, Dukwi/Refugee Camp