Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

Bin da!

Finally! Ich bin Botswana! Freitags, 31.08.2012, 17 Uhr, ich küsse den Boden, botswanischen Boden! Und ja ich übertreibe hier kein bisschen.
(Botswana schreibe ich heute übrigens mal mit „W“ weil das die gängigere Internationale Schreibweise ist, mit „ua“ ist es die korrekte deutsche amtliche Schreibweise).
Es ist ja bekannt, dass klein Joshi minimale Flugangst hat, die hat er auch eigentlich in den Griff bekommen, keine Angst auf einem Langstreckenflug nach Johannesburg, so ein Airbus A340 ist ja schon ein ganz schönes Schiff.
Nun dann steht klein Joshi aber leider vor einem South-African „Expressflugzeug!“. Klein und wendig ist das Ding mit seinen 12 Sitzreihen, aber vor allem halt klein!
Feel it! Ja und zwar jeden einzelnen Windstoß!
Ich glaub ich werde in 11 Monaten nicht wieder nach Johannesburg fliegen sondern fahren…
Nach der Landung und tiefem Durchatmen ging es dann nur noch kurz durch die Zoll- und Einreiseabfertigung, wobei „nur noch kurz“ dann auch wieder sehr dehnbar ist.
Wir mussten angeben wo und wie lange wir uns in Botswana aufhalten, da Malte mangels Infos aber nicht genau wusste wo er stationiert sein wird, hielten wir uns dort auch erstmal eine weitere halbe Stunde auf.
War aber nicht so schlimm, die Damen am Zoll waren total freundlich und haben sogar für uns beim Red Cross Botswana angerufen und danach ging dann alles klar.
Um kurz vor 6 schließlich verließen wir dann den Flughafen, sahen gleich mal zwei Affen draußen rumlungern und wurden von Tshep (Zep) abgeholt.
Sein Name bedeutet „Vertrauen“ und wir vertrauen ihm wirklich, ein super Kerl, mit ihm kann man auch wirklich einfach mal Spaß haben und quatschen.
Er ist Fahrer beim Roten Kreuz in Botswana und passt auch die ersten fünf Tage die wir nun erstmal in Gaborone sein werden auf uns auf.
Bin mit ihm dann natürlich in ein Gespräch über Autos geraten und jetzt liebe Autofreunde muss ich euch leider Schmerzen zufügen, der Liter Super kostet hier 80 Cent!
Ja so macht Autofahren spaß!
Der Linksverkehr ist zwar gewöhnungsbedürftig, mittlerweile geht’s, aber die ersten zwei Tage habe ich regelmäßig Schweißausbrüche bekommen weil ich dachte Tshep fährt auf der falschen Seite!
Im Moment sind wir in einer Lodge untergebracht, ca. 45 Minuten von Gaborone entfernt, total gut, es fühlt sich ehrlich gesagt gerade noch eher wie Urlaub an, Flo (ist auf dem Bild zu sehen, im Hintergrund die Lodge) und ich haben glaube ich definitiv noch nicht realisiert das wir hier 11 Monate sein werden.
Gestern hatten wir einen Wasserausfall, ist aber schnell wieder behoben worden.
Wasser ist hier wirklich ein sehr wertvolles Gut, wurde schon öfter betont.
Die Währung heißt sogar Pula (Regen), da Regen sehr wertvoll ist!
Auch das Blau in der Nationalflagge und im Wappen von Botswana spielt auf Wasser bzw. Regen an.
Das Essen ist genial! Viel mit Rind, Gulasch etc., weil Botswana sehr stark von der Viehwirtschaft lebt, aber auch Hähnchen gibt es. Scharf und gut gewürzt ist alles. Auch Kohl und Spinatartiges kommt auf den Tisch und dazu Nudeln, Reis und Maisbrei (ähnlich wie Kartoffelbrei nur die Konsistenz ist etwas fester).
Morgens gibt’s hier dann einen Mischmasch aus englischem und amerikanischem Frühstück: Rührei, Würstchen bzw. irgendeine Sorte Fleisch, Wurst, Käse und Sandwich, weiterhin Früchte und Müsli, Kaffee, Tee und Milch.
Wir sind hier jedenfalls super untergebracht und sollen uns wohl erstmal etwas eingewöhnen.
Nach einem kleinen Einführungsseminar soll es am Mittwoch endlich ins Flüchtlingslager nach Dukwi gehen, ungefähr 650 Kilometer von hier.
Die Fahrt dorthin wird sicherlich gut, die Straßen sind super, ein bisschen schlechter wie in Deutschland, ohne Leitplanken, aber trotzdem sehr gut. Zweispurige Autobahn oder so etwas gibt es zwar nicht aber die Straße ist gut ausgebaut.
Und die Landschaft, ja die ist wie gesagt ein Traum!
Gut an und auf der Straße laufen ab und zu Rinder, Esel, Affen und Ziegen lang die einen dann eben mal zu einem starken Bremsvorgang und Hupkonzert zwingen, aber das ist wirklich eher die Ausnahme... passiert also mindestens einmal, höchstens zweimal am Tag ;).
In den Dörfern selbst ist dann ab einem gewissen Punkt eben nur noch Holperpiste, aber gerade das macht den Charme Afrikas aus.
Tempolimit ist hier übrigens bei 120 und nachts fährt man hier, ob Gegenverkehr oder nicht, generell mit Fernlicht. Würde in Deutschland wohl ein (Licht-) Hupkonzert auslösen.
Auch waren wir schon in Gaborone selbst; „Shoppen“, wir brauchten Geld und eine Simkarte und etwas Wasser etc…
Hier möchte ich noch mal betonen und bis jetzt auch bestätigen, Botswana ist eines der modernsten Länder in Afrika.
Die Malls dort sind sehr westlich, eigentlich genauso wie in den USA, also alles sehr modern.
Cola ist billiger als Wasser und der Euro ist hier schon eine extrem starke Währung.
Wir bezahlen hier im Schnitt 40 bis 50 Cent weniger für Lebensmittel als in Deutschland, teilweise noch sehr viel weniger.
Auch Eintrittspreise und Handykosten sind sehr niedrig.
Ach fast hätte ich Skar vergessen, er war und ist wie Tshep die ersten Tage mit uns unterwegs, mit ihm und Tshep hatten wir sehr interessante Gespräche!
Darunter auch „Männergespräche“ in denen die Beiden sich über die deutsche Art und Weise mit Beziehungen umzugehen informiert haben und umgekehrt.
Interessant zu wissen ist hier, wenn man eine längere Beziehung mit einer Frau in Botswana hat, dann wird im Regelfall auch geheiratet, es wird also wirklich erwartet, dass man dies tut.
Und dann fangen wohl die Verhandlungen mit der Familie der Braut an, diese „erkauft“ man sich wohl aus ihrer Familie.
Dabei wird der Wert der Braut in Rindern aufgewogen, ab 8 Rindern spricht man wohl davon, dass es „teuer“ ist.
Auch muss man der Mutter der Braut wohl Geschenke bereiten, in Form von Kleidern.
Das war dann auch unser erster kleiner Einblick in die Kultur hier, war ein sehr langes, interessantes und lustiges Gespräch.
Die Zwei waren völlig begeistert davon, dass wir hier in längeren Beziehungen nicht zwingend heiraten.
Aber da hat natürlich auch alles seine zwei Seiten, wenn man sich nämlich so intensiv mit der Familie der Braut beschäftigen muss, lernt man sie natürlich um einiges besser kennen und generell wird das Band zwischen beiden Familien sehr intensiviert.
Ich selbst finde die Richtung, eine Beziehung erst einzugehen wenn man wirklich ernste Absichten hat, gar nicht mal schlecht (Heirat muss natürlich dann nicht sein!). Da und ich glaube wirklich auch nur hier, kann man mich sogar etwas konservativ nennen ;)
Ich will damit sagen, dass ist hier eine kulturell bedingte Sache und auch nicht rückschrittlich anzusehen, denn hier ist es genau so wie bei uns, Mann und Frau müssen sich erstmal finden, das „kaufen“ der Frau ist dann nur noch der kulturelle Aspekt, aber hier wird niemand gegen seinen Willen verheiratet oder sowas.
Übrigens stellte sich während unserer Gespräche heraus: Wer in Deutschland braune Haare hat ist hier Blond, und wer in Deutschland blonde Haare hat, hat hier weiße :D.
Damit verabschiede ich mich fürs erste aus der Bartani Lodge, morgen geht’s hoch nach Dukwi, endlich!

Ach und wer mal das Bedürfnis hat mich anzurufen und sehr viel Geld für ein Telefonat ausgeben möchte, meine Nummer ist: 0026774038363
Meine Mailadresse habt ihr ja.
Wegen Skypen oder Icq muss ich erstmal schauen wie die Sache mit dem Internet in Dukwi läuft.
Ach, hat zwar grad nix mit dem Botswanablog an sich zu tun, hab aber hier in Botswana das erste mal Irie Révoltés gehört, coole Band.
An alle (Jung-)Sozialisten, gebt mal „Irie Révoltés – Antifaschist“ in Youtube oder ähnlichem ein!

Josh, 04.09.2012, Otse (Bartani Lodge) – 45 Minuten von Gaborone entfernt.