Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Arbeit und Ausbildung

Für uns Jungsozialistinnen und Jungsozialisten ist das Thema Arbeit zentral. Arbeit kann und muss Teilhabe an der Gesellschaft und an den gemeinschaftlich produzierten Werten ermöglichen. Arbeit ist wichtig für die Emanzipation des Menschen.

Wir wollen eine Gesellschaft, in der jede und jeder selbstbestimmt leben und arbeiten, sich persönlich entfalten und ihre bzw. seine individuellen Fähigkeiten vollständig entwickeln kann. Deshalb setzen wir uns für Arbeit und Ausbildung zu guten Bedingungen und sichere Beschäftigung mit individuellen Entwicklungsperspektiven ein.

Die derzeitige Beschäftigungssituation zeichnet in vielen Bereichen ein deprimierendes Bild. Die Arbeitszeiten sind für viele Vollzeiterwerbstätige wieder länger geworden (häufig ohne Lohnausgleich), die Arbeitseinkommen konnten nicht mit den Steigerungen der Kapitaleinkünfte mithalten und seit Jahren müssen die Beschäftigten Reallohnverluste verkraften. Ausdruck dessen sind in vielen Bereichen Tariflöhne, die selbst bei einer Vollzeitstelle zu keinem existenzsichernden Einkommen mehr ausreichen. Viele Betriebe verwenden die Leiharbeit zur Absenkung der Löhne und Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse. Dies verschlechtert Arbeitseinkommen und Arbeitsbedingungen. Der innerbetriebliche Druck auf den Einzelnen nimmt zu und die Angst vor Arbeitslosigkeit führt dazu, dass die Arbeitenden zu immer weitergehenden Zugeständnissen bereit sind. Dabei stößt die Mitbestimmung der Beschäftigten immer häufiger an ihre Grenzen. Von diesen Entwicklungen sind Auszubildende und junge Beschäftigte weit überdurchschnittlich oft betroffen.

Viele Auszubildende werden zu ausbildungsfremden Hilfstätigkeiten herangezogen und als billige Arbeitskräfte missbraucht. Junge Beschäftigte landen auch eher auf befristeten Stellen, in Leiharbeit oder müssen unfreiwillig Teilzeitstellen annehmen. Außerdem werden sie im Schnitt schlechter bezahlt: Fast 40% der Beschäftigten unter 30 Jahren verdienen ein Bruttogehalt von weniger als 1.500 Euro monatlich.

Eine Sonderauswertung des DGB-Index „Gute Arbeit 2007“ kam zu dem Ergebnis, dass nur 11% der jungen Beschäftigten „gute Arbeit“ haben – während 30% unter schlechten Bedingungen arbeiten müssen.

Frauen verdienen heute noch immer 22% weniger als ihre männlichen Kollegen. Dort, wo die männlichen Spitzenverdienste anfangen, hören die der Frauen meistens auf. Und obwohl Frauen durchschnittlich die besseren Bildungsabschlüsse haben und 52% der Bevölkerung stellen, sind sie in den Chefetagen, in Unternehmensvorständen und Aufsichtsräten kaum anzutreffen. Dahingegen wird der größte Teil der Teilzeitbeschäftigten von Frauen gestellt.

Deshalb gilt für uns: Gute Arbeit und Ausbildung. JETZT.

Gute Arbeit heißt ausreichend qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze!
Jeder Mensch muss das Recht auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung haben. Es ist eine soziale Verpflichtung der Wirtschaft, ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsstellen zur Verfügung zu stellen und auch zu finanzieren. Deshalb fordern wir ein Recht auf Ausbildung und die Einführung einer Ausbildungsplatzumlage.

Gute Ausbildung heißt hohe Qualität!
In vielen Bereichen des Berufsbildungssystems bestehen gravierende qualitative Mängel – auch im dualen System. Hier muss die AusbilderInnentätigkeit stärker überprüft und professionalisiert werden.

Gute Ausbildung heißt Stärkung des dualen Systems!
Das Ziel müssen ganzheitliche Ausbildungen mit einem emanzipatorischen Anspruch sein. Dabei muss das Berufsprinzip der Ausbildungen gewährleistet bleiben – Schmalspurausbildungen und eine Modularisierung, die das Berufsprinzip infrage stellen, lehnen wir ab.

Gute Ausbildung heißt auch, Entwicklungsmöglichkeiten zu haben!
Eine Berufsausbildung muss als gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung anerkannt werden. Jeder Mensch muss jederzeit seinen Schulabschluss gebührenfrei nachholen können.

Gute Ausbildung heißt Sicherheit für die Auszubildenden!
Auszubildende müssen vor Überforderung, Überbeanspruchung und vor den Gefahren am Arbeitsplatz geschützt werden. Dazu brauchen wir ein stärkeres Jugendarbeitsschutzgesetz. Auch muss eine wirkungsvolle Interessenvertretung und Mitbestimmung der Auszubildenden und jungen Beschäftigten gewährleistet werden.

Gute Ausbildung heißt gerechte Entlohnung!
Für ein selbstbestimmtes Leben jedes Auszubildenden fordern wir weiterhin eine ausreichend hohe Ausbildungsvergütung ein. Als unterste Grenze der Entlohnung muss eine einheitliche Mindestausbildungsvergütung festgesetzt werden.

Gute Arbeit heißt gute Entlohnung!
Auch die Beschäftigten müssen für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden. Deshalb unterstützen wir Lohnerhöhungen, die mindestens die Produktivitätssteigerung und die Inflationsrate ausgleichen. Wir setzen uns darüber hinaus für einen bundesweiten, gesetzlichen, branchen-, alters- und qualifikationsunabhängigen Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro ein.

Gute Arbeit heißt Reduzierung der Arbeitszeit!
Die tatsächliche Arbeitszeit muss verkürzt werden. Dies führt zu einer höheren Beschäftigungsquote, ermöglicht gesellschaftliches Engagement, die gleichberechtigte Teilung der Familienarbeit zwischen Mann und Frau und einen individuellen Freiheitsgewinn.

Gute Arbeit heißt Absicherung der Arbeitslosigkeit!
Wir fordern die Einrichtung einer Arbeitsversicherung, die Phasen der ungewollten Arbeitslosigkeit oder der Weiterbildung absichert. Wir fordern deutliche Verbesserungen in der Grundsicherung des Arbeitslosengeldes II (ALG II). Eine Reduzierung des Betrags, der für den Lebensunterhalt absolut notwendig ist, durch Sanktionen, verbietet sich.

Gute Arbeit heißt Mitbestimmung!
Wir wollen den Sozialdialog, die betriebliche Mitbestimmung und die Solidarität zwischen den Beschäftigten stärken und weiterentwickeln. Unser Ziel ist ein demokratisches Wirtschaften, in dem die Beschäftigten umfassend über die Entscheidungen des Unternehmens mitbestimmen.

Gute Arbeit heißt gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit!
Der Grundsatz gleicher Lohn für gleich(wertig)e Arbeit muss endlich verwirklicht werden. Mit einer gleichen Entlohnung gleichwertiger Arbeit bauen wir auch die Diskriminierung von Frauen bei den Lohnersatzleistungen ab. Jegliche geschlechterdiskriminierenden Regelungen müssen abgeschafft werden. Das Leitbild des männlichen Familienernährers ist überholt.