Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Jusos Gersprenztal: „Die OJC hat ihren Anspruch auf staatliche Förderung verwirkt“

Allgemein

Sexuelle Orientierungen die von traditionellen, christlich geprägten Normen abweichen werden auch in Deutschland noch immer viel zu oft als „Unnormal“ angesehen.
Zwar mag die Toleranz gegenüber Homosexualität zugenommen haben, es wird zumindest öffentlich über dieses Thema gesprochen, dennoch kann von Gleichstellung nach wie vor keine Rede sein.

Christian Senker, Vorsitzender der Jusos im Gersprenztal, verdeutlicht die Ansicht der Jusos: „Homosexuellen Paaren in sogenannten eingetragenen Lebensgemeinschaften werden nicht die gleichen Rechte wie in Ehe lebenden Männer und Frauen zuteil, beispielsweise wird die Adoption von Kindern unter der häufigen Begründung: “Ein Kind braucht für eine gesunde Entwicklung Vater & Mutter“ nicht gestattet. Dass diese Argumentation auch jede alleinerziehende Person disqualifiziert, findet meist keine Beachtung. Solange also Homosexualität als Abweichung einer gesellschaftlichen oder biologischen Norm angesehen wird, und anderen Rechten unterliegt, besteht die Gefahr, dass diese als „Abnormal“ und deshalb als Krankheit oder entwicklungsbedingte Störung angesehen wird.“

In der Gersprenztalgemeinde Reichelsheim vertritt die Offensive Junger Christen in ihrer Mitgliederzeitschrift „Salzkorn 3/2013“ die Ansicht, „ (…) dass ein Kind Vater und Mutter braucht, die nicht durch beliebige Paarkonstellationen ersetzt werden kann“, „dass die Ehe auf die Ein-Mann-eine-Frau-Verbindung beschränkt bleiben sollte“ und „dass sich die homosexuelle Orientierung wandeln kann“.
Simon Stephan, stellv. Vorsitzender der Jusos sagt dazu: „Eben solche konservative, engstirnige Ansichten tragen dazu bei, dass alternative Lebensstile und sexuelle Bedürfnisse häufig als nicht normal angesehen werden.“

Doch die OJC geht in ihrer Denkweise noch wesentlich weiter:
Das der OJC angegliederte Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG), welches seinen Sitz ebenfalls in Reichelsheim hat, verbreitete, wie im Odenwälder ECHO am 22.10.13 berichtet, Thesen, nach denen Homosexualität eine durch frühkindliche, seelische Verletzungen entstandene Krankheit sei. Eine Krankheit welche man heilen könne. Entsprechende „Heilungsmöglichkeiten“ bot das Institut dann auch an.
Bereits Anfang 2011 haben die Jusos Gersprenztal öffentlich darauf hingewiesen, dass die OJC homosexuellenfeindliche Ansichten verbreitet. Der damalige Vorsitzende der OJC Dominik Klenk veröffentlichte beispielsweise in der Mitgliederzeitung der OJC „Salzkorn 1/2011“ den Artikel „besser Schwul als katholisch?“. Darin kritisierte er, dass die evangelische Kirche homosexuelle Pfarrer in ihren Kirchen dulde.
Seine Kritik gründet auf Untersuchungen, die belegen würden, dass schwule Paare häufiger Sex außerhalb der festen Beziehung hätten.
In dieser Verallgemeinerung sieht er begründet, dass homosexuelle Pfarrer nicht den christlichen Werten „Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung“ entsprechen würden. Weiter rief er zum öffentlichen Protest gegen die Anstellung von schwulen Pfarrern und zum Austritt aus der evangelischen Kirche auf.
Joshua Seger, jetzt Vorsitzender der Jusos Odenwald, richtete sich damals schriftlich an den Reichelsheimer Bürgermeister und forderte eine öffentliche Stellungnahme der Gemeinde zu solch diffamierenden Aussagen. Dazu kam es bis heute nicht.
Erst als Ende 2012 die hessische Landtagsfraktion der Grünen auf die Ansichten der OJC aufmerksam wurde und die Aberkennung der Trägerschaft des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) forderte wurde das Thema öffentlich. Nun sehen sich die Jusos Gersprenztal in ihrer Meinung bestätigt, da laut ECHO Informationen vom 22.10.13 auch das Bundesfamilienministerium „Nachbesserungsbedarf“ erkannt habe.
Der OJC seien nun erhöhte Auflagen zur Ausrichtung des FSJ auferlegt worden. So solle die Zentralstelle der evangelischen Freiwilligendienste die Durchführung des FSJ bei der OJC überprüfen. Weiter müsse die OJC eine Trennung der Arbeit mit Absolventen des FSJ zu Mitarbeiter des DIJG gewährleisten.
Die OJC bestreitet laut ECHO Angaben vom 05.11.13 allerdings solche Auflagen erhalten zu haben.
„In unseren Augen ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass die OJC keinerlei Einsicht zeigt. Auch gehen diese Auflagen aus unserer Sicht längst nicht weit genug, da eine Trennung zwischen DIJG und OJC räumlich und inhaltlich nicht umzusetzen ist“ kommentiert Senker die Situation.
Beide Einrichtungen haben einen gemeinsamen Sitz im Schloss Reichenberg.
Selbst wenn nicht die Personen des Instituts für die Betreuung der FSJ Absolventen zuständig wären, sind die „wissenschaftlichen Arbeiten“ mit ihren homosexuellenfeindlichen Ansichten des Instituts prägend für die Arbeit der OJC. Abgesehen davon scheint die OJC nach ECHO Angaben vom 05.11.13 nicht einmal die für ein FSJ benötigten Standards zu erfüllen, da sie die geforderten 12 Teilnehmer offenbar nicht vorweisen kann.
Wie im Odenwälder ECHO 22.10.13 berichtet erhält die OJC für ihr FSJ-Angebot, bis zu 13.000 Euro vom Land Hessen und zusätzlich bis zu 20.000 Euro vom Bund. Jährlich.
Die Jusos Gersprenztal fordern daher die Aberkennung der Trägerschaft des Freiwilligen Sozialen Jahres für die OJC. Mit Auslebung der Meinungsfreiheit hat die durch staatliche Gelder gestützte Verbreitung diskriminierender Ansichten aus Sicht der Jusos nichts mehr zu tun. „Wir bezweifeln ebenfalls, dass eine von solchen Einstellungen geprägte Gruppierung für die Perspektivenbildung und Entwicklung junger Menschen, hilfreich sein kann“ begründet der Juso-Vorstand seine Forderung.
Abschließend sieht die SPD-Jugend im Gersprenztal die Evangelische Kirche Hessen Nassau sowie die Gemeinde Reichelsheim in der Pflicht, öffentlich und deutlich Stellung gegen die Verbreitung homosexuellenfeindlicher Ansichten durch die OJC zu beziehen.

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Odenwälder ECHO 22.10.13:
http://www.echo-online.de/region/suedhessen/Offensive-Junger-Christen-steht-unter-Aufsicht;art24719,4398367

Odenwälder ECHO 05.11.13:
http://www.echo-online.de/region/odenwaldkreis/reichelsheim/Offensive-Junger-Christen-Angeblich-keine-Auflagen;art1276,4436833