Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Meine Meinung!

Frei.Wild – Ist es wahr oder nur gelogen?

Ein Kommentar von Christian Senker

Wenn eine Band weit über die Grenzen der Musikbranche hinaus für Aufregung sorgt und sich sogar politische Parteien und Organisation mit ihr befassen, muss man natürlich darüber reden und einmal genauer hinschauen. Klar ist, keine Band polarisiert zu Zeit so stark wie „Frei.Wild“ aus Südtirol. Doch weshalb wird über diese Band so stark diskutiert und warum wird sie immer wieder als rechtsextremistisch bezeichnet? Einer der Gründe ist wohl die Vergangenheit des Sängers der Band. Phillip Burger, stand im Alter von etwa 15-18 Jahren der rechten Skinhead-Szene nahe, damals war er Mitglied der rechten Band die „Kaiserjäger“. Weder veröffentlichte diese Band ein Album, noch hatte sie besonders lange bestand. Öffentlich stellt sich Burger, mittlerweile über 30 Jahre alt, nun seit Jahren seiner Vergangenheit und distanziert sich regelmäßig und ausdrücklich von dieser Jugendphase. 2001 wurde die Band „Frei.Wild“ von ihm mitgegründet. Doch warum wird Frei.Wild gerade jetzt, nach über Zehn Jahren Bandgeschichte, vorgeworfen rechtes Gedankengut zu verbreiten? Einer der Hauptgründe, aufgrund dessen diese Vorwürfe jetzt verstärkt auftreten ist wahrscheinlich der TV Auftritt des selbsternannten Undercover Journalisten Thomas Kuban in Günther Jauchs Talkshow. Kuban filmte regelmäßig verdeckt auf Konzerten von einschlägigen Rechtsrockbands und sammelte seine dabei gemachten Erfahrungen in dem Film „Blut muss fließen“. Aufgrund von finanziellen Problemen musste er seine Arbeit in diesem Bereich jedoch beenden und versucht nun durch TV Auftritte für seinen Film zu werben und auf die Gefahr von Nazibands in Deutschland aufmerksam zu machen. In Jauchs Talkshow verglich Kuban Frei.Wild mit Neonazibands, welche für die NPD auftreten, bezeichnete die Musik der Band als nationalistisch und völkisch. Die neue CD, welche innerhalb kürzester zeit Goldstatus erreichte, beschreibt er als klassischen Rechtsrock. Frei.Wild würde antisemitische Anspielungen und geschichtsrevisionistisch Texte benutzen. Einen Beleg für seine Anschuldigungen bleibt er jedoch schuldig. Dass er seine Aussagen nicht belegen konnte liegt schlicht daran, dass sie nicht zu halten sind. Frei.Wild macht deutschsprachige Rockmusik, Deutschrock. Entsprechend stehen sie für harte und laute Klänge, singen über Missstände in der Gesellschaft und provozieren mit deutlichen Worten und Aussagen. So heißt es z.B. gleich im ersten Song des neuen Albums „Feinde deiner Feinde“ Hätte ich das gewusst, hätte ich reagiert Dass da was falsch läuft bei denen hätt ich sehr schnell kapiert Wie kann man nur? Und weshalb ist das alles passiert Keine Ahnung die liefen doch so koordiniert Dabei war es ganz anders, die waren gerne dabei Manche führten, manche folgten, so rief man Kriege herbei Blindes handeln und verurteilen nichts bezweifeln hinterfragen Ist das Lemmings Gebot, Zusammen ab in den Tod (Frei.Wild - Wir reiten in den Untergang) Wer solche Aussagen als geschichtsrevisionistisch bezeichnet, hat entweder die Bedeutung des Begriffes nicht verstanden oder sich mit dem Album nicht wirklich beschäftigt. Die Aussage, Frei.Wild würde Antisemitismus verbreiten ist eine harte, unbelegte, Anschuldigung. Dass Kuban solche Bemerkungen machen kann ohne aufgefordert zu werden diese zu belegen, spiegelt den Charakter von Jauchs Talkshow wieder. Frei.Wild singt in zahlreichen Liedern über Freiheit, Freundschaft und Zivilcourage. Natürlich gibt es, wie es sich für eine Rockband gehört, auch zahlreiche Lieder übers Party machen und feiern. Was ihnen aber immer wieder vorgeworfen wird sind die Songs über ihr Heimatland Südtirol. Frei.Wild stehen zu ihrer Heimat und bringen diese Heimatverbundenheit auch in einigen Liedern zum Ausdruck. Ein bekanntes und von Medienvertretern gerne gewähltes Beispiel ist das Lied „Südtirol“. Dort besingt die Band vor allem die Landschaft Südtirols und „vergöttert“ diese. Südtirol, wir tragen deine Fahne Denn du bist das schönste Land der Welt Südtirol, sind stolze Söhne von dir Unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her (Frei.Wild - Südtirol) Wenn eine Rockband über ihr Heimatland singt, wird dies gleich als nationalistisch und politisch rechts bezeichnet, auch wenn es zahlreiche Lieder und Aussagen gibt, die eindeutig das Gegenteil belegen (dazu später mehr). Wenn aber eine Schlagerband über ihre Heimat singt, ihr treue schwört und stolz auf sie ist, dann wird das selbstverständlich nicht hinterfragt. Südtirol - Du mein schönes Heimatland Südtirol - Auf Dich sind wir stolz Dort wo so mancher Gast verbracht hat schöne Stunden So viele Menschen haben hier ihr Glück gefunden So wird es immer sein - Teure Heimat mein (Kastelruther Spatzen - Südtirol-Lied) Das zweite Lied, welches Frei.Wild immer wieder angelastet wird, ist das Lied „Wahre Werte“. Darin singen Frei.Wild über Brauchtum, Glaube und Heimat. In diesem Punkt vertreten sie ganz klar eine konservative Haltung. Aus dem Liedtext wird aber meistens nur die gleiche Textstelle herausgenommen: Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen Wenn ihr euch Ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen Du kannst dich nicht drücken, auf dein Land zu schauen Denn deine Kinder werden später darauf bauen Sprache, Brauchtum, und Glaube sind Werte der Heimat Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk (Frei.Wild - Wahre Werte) An dieser Stelle wird Frei.Wild vorgeworfen den Standpunkt vieler Nazis zu vertreten: Leute denen Deutschland nicht gefällt, sollten es doch verlassen. Dabei wird aber nie erwähnt das Frei.Wild über Südtirol singt. Als deutschsprachige Minderheit in Norditalien haben die Südtiroler aber, im Gegensatz zu Deutschland, in dem Begriffe wie "Heimat" und "Tradition" wegen der nationalsozialistischen Vergangenheit eher negativ besetzt sind, ein ganz anderes Verhältnis zu solcherlei Bezeichnungen. Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache Für uns Minderheiten eine Herzenssache Das, was ich meine und jetzt werft ruhig Steine Wir sind von keinem Menschen die Feinde Doch wir sind verpflichtet, dies zu bewahren Unser Tirol gibt´s seit 1200 Jahren (Frei.Wild - Wahre Werte) Das sich im selben Lied eine Klarstellung ihrer Definition von Patriotismus befindet wird ebenfalls oft verheimlicht. Nicht von gestern, Realisten Wir hassen Faschisten, Nationalsozialisten Unsere Heimat hat darunter gelitten Unser Land war begehrt, umkämpft und umstritten Patriotismus heißt Heimatliebe Respekt vor dem Land und Verachtung der Kriege (Frei.Wild - Wahre Werte) Auf diese Vorwürfe reagiert Frei.Wild seit Jahren, in Interviews bei Ansagen auf Konzerten und natürlich auch in verschiedenen Liedern. So sangen sie schon 2009 auf ihrem Album Mitten ins Herz: Wir tanzen keinen Adolf Hitler tanzen keinen Mussolini Wir mögen keinen Berlusconi und schon gar nicht diesen Fini Wir mögen keinen Marx und Engels Auf Bush und Hussein wird geschissen Also redet jemand anderem ins Gewissen Das ist das Land der Vollidioten Die denken, Heimatliebe ist gleich Staatsverrat Wir sind keine Neonazis und keine Anarchisten Wir sind einfach gleich wie ihr .. von hier (Frei.Wild - Das Land der Vollidioten) Vor den Eingängen zu Frei.Wild Konzerten werden Banner gegen Rassismus und Extremismus aufgehängt um ein klares Zeichen zu setzten. Auf der Bühne bringt die Band oftmals ihre Meinung über Faschisten und Extremisten in Ansagen zum Ausdruck. Doch egal was Frei.Wild machen, immer wieder wird ihnen vorgeworfen, ihre Lieder und Aussagen gegen Rechts seien nur Fassade. Die Fans der Band werden als verkappte Nazis dargestellt, dabei sollte man sich mal überlegen was das bedeuten würde: Frei.Wild hat im vergangenen Jahr die größten Hallen Deutschlands gefüllt, ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft und die neue Platte erreichte innerhalb kürzester Zeit Goldstatus. Sollen all diese Frei.Wild-Fans rechtes Gedankengut vertreten oder diesem nahe stehen? Wohl kaum! Auf verschiedenen Konzerten brüllen bis zu 10.000 Fans „Nazis raus“. Viel wahrscheinlicher ist, dass Fans der Band Frei.Wild großen Wert auf Ehrlichkeit legen und den wahren Charakter der Band erkannt haben. Zu einer ordentlichen Berichterstattung gehört, sich beide Seiten anzuhören, nur so kann eine objektive Meinung entstehen. In vielen Berichten über die Band werden aber leider nur sehr kurze oder gar keine Statements der Bandmitglieder zu den Vorwürfen gezeigt. Meistens werden nur die bereits erwähnten Textausschnitte genannt und die Meinungen von anderen Bands oder von selbsternannten Experten wie eben Herrn Kuban, die sich größtenteils ebenfalls nicht mit den Texten auseinandergesetzt haben zu scheinen, gezeigt. Die Vorwürfe gehen in manchen Beiträgen bis hin zur Demokratiefeindlichkeit und menschenverachtender Musik. Auch diese Vorwürfe werden in keinem der Berichte begründet. Ganz im Gegenteil, Frei.Wild bekennen sich in ihren Texten immer wieder zu Frieden und Freiheit: Denn unser Europa Ist ein Paradies, und dass wir Das nicht schätzen, ist wirklich fies Wir haben alles, was wir brauchen Alles, um glücklich zu sein Man schätzt es viel zu wenig Gesund und unversehrt zu sein (Frei.Wild - Europa) Viele Menschen scheinen nicht zu verstehen, dass es durchaus möglich ist an Traditionen und Werten festzuhalten und dennoch ein modernes Menschenbild zu vertreten. Argumentiert man aber auf diesem Niveau, müsste man mindestens auch die CSU, dank ihrer doch sehr europakritischen Aussagen, der rechtsextremen Szene zuordnen. Es existiert nach wie vor kein Lied von Frei.Wild in dem es darum geht andere Menschengruppen auszugrenzen oder zu diskriminieren. Sie beschäftigen sich mit den Missständen der heutigen Welt, und setzten sich auch in verschiedenen Spendenprojekten für andere ein. Mit vielen namenhaften Künstlern veröffentlichte Frei.Wild beispielsweise im vergangenen Jahr das Lied „1000 Meilen, 1000 Worte“. Der Erlös kam einem Südtiroler Kinderdorf zu Gute. Auch in ihren Texten behandelt Frei.Wild die Frage der Gerechtigkeit. In der Dritten Welt, da sieht es ähnlich aus Mit Hilfspaketen allein baut man gar nichts auf Brot und Wasser sind wichtig, aber auf lange Sicht Sichert man die Zukunft nicht Man hält das Volk dort dumm und Bildung gibt es kaum So das die Menschen nicht an andere Ziele glauben Doch das Ziel Nummer eins heißt was zu essen im Bauch Und sonst gibt es ja nichts, was es noch braucht (Frei.Wild - Schenkt und Dummheit, Niveau) Religion, Hölle oder Thron Fanatismus als Held geboren Die Erste Welt, die sich für besser hält Und sich nicht auf deren Ebene stellt Essen wird vernichtet, durch die Welt gekarrt Seht ihr das Ghettokind, das lüstern darauf starrt Kein schöner Land in dieser schweren Zeit Wir verdrängen nur die Wirklichkeit (Frei.Wild - Die Welt brennt) Man könnte die Liste der Songtexte die sich mit Gerechtigkeit, Freiheit oder Freundschaft befassen Seitenlang weiterführen, genannt werden sie allerdings nie. Es ist klar, jeder Mensch sollte sich eine eigene Meinung bilden, daran wollen wir gar keinen Zweifel lassen! Eine Meinung bildet man sich aber nicht, indem man TV Berichten oder Aussagen mehr oder weniger blind vertraut. Man muss sich mit der Thematik, den Menschen die dahinterstehen und der Geschichte auseinandersetzten. Gefährlich wird es immer dann, wenn jemand wegen seiner Meinung oder Aussagen diskriminiert wird. Wenn über Verbote gesprochen wird obwohl eine Band niemals auch nur im Ansatz gegen Gesetze verstoßen hat. Gefährlich wird es auch, wenn man anfängt etwas zu zensieren, nur weil es Einigen aus persönlichen, respektive wirtschaftlichen, Gründen nicht passt. Frei.Wild wurde für den ECHO 2013 nominiert. Nachdem verschiedene „Künstler“ aufgrund dessen damit gedroht haben, nicht an der Echo Verleihung teilzunehmen, wurde die Nominierung von Frei.Wild nun zurückgezogen. Dass die Band im Jahr 2011 bereits für den ECHO nominiert wurde und damals kein Mensch mit einer Absage oder Ähnlichem gedroht hat, zeigt nur wie scheinheilig die ganze Debatte über Frei.Wild ist. Schade ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Jusos Hessen-Süd auf diesen Zug mit aufgesprungen sind und eine entsprechende Pressemitteilung veröffentlicht wurde in der es heißt: „Die Jusos Hessen-Süd fordern die Veranstalter der Musikpreisverleihung des Echos und den Bundesverband der deutschen Musikindustrie auf, die Nominierung der Rechtsrockband „Frei.Wild“ für den Preis in der Kategorie „Rock/Alternativ national“ zurückzunehmen.“ Einen Beleg für die Behauptung Frei.Wild sei eine Rechtsrockband bleiben die Verfasser leider schuldig. Frei.Wild würde „mit verklärenden Texten über ein reaktionäres Heimatbild ein nationalistisches Weltbild verbreiten, das als Einstieg in die rechte Szene dienen kann.“ Als Beispiel werden ausschließlich die oben genannten Textausschnitte verwendet. Diese seien im gesamten Kontext der Musik und des Auftretens der Band als nationalistische Aussagen zu werten. Dass der Juso-Vorsitzende des Bezirks Hessen-Süd, ebenso wie sein Stellvertreter, ihre Informationen ausschließlich aus besagten Medienberichten und nicht aus eigener Recherche entnommen haben, wird durch diese Aussage belegt. Denn weder Auftritte, noch Interviews der Band lassen auf ein nationalistisches Menschenbild schließen, die Begründung dazu wurde bereits mehrfach genannt. Abschließend schreiben „die Jusos“: „Zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema empfehlen die Jusos Hessen Süd, den Dokumentarfilm „Blut muss fließen, Undercover unter Nazis“, in der der Journalist Thomas Kuban undercover in der Rechtsrockszene ermittelte und eindeutig volksverhetzende und fremdenfeindliche Aussagen der Rechtsrockbands und eine Nähe zur NPD nachweisen konnte.“ “ Das Rechtsrock gefährliche und fremdenfeindliche Aussagen enthält sollte für Vorstandsmitglieder einer linken Parteiorganisation nicht unbekannt sein. Thomas Kuban hat in diesem Bereich sicherlich wichtige Aufklärungsarbeit geleistet, seine Vergleiche mit der Band Frei.Wild bleiben dennoch unbegründet und sind für Menschen, die sich mit der Band und der Debatte darüber auseinandergesetzt haben unverständlich. Viel eher ist zu vermuten, dass Kuban versuchte seinen Film durch eine selbst angestoßene große öffentliche Debatte zu vermarkten. Wie könnte dies besser gelingen als eine der momentan erfolgreichsten Bands in Deutschland mit der rechten Szene in Verbindung zu bringen. Deshalb appellieren wir daran, sich selbst intensiv mit diesem Thema auseinander zu setzen bevor ein Urteil gefällt wird. Ebenfalls erinnern wir daran, dass auch wir als Jusos stets dafür eintreten, Menschen die aus der rechten Szene ausgetreten sind, eine zweite Chance zu geben. Dies kann nicht geschehen wenn als Hauptgrund für die angeblich rechtsextreme Einstellung der Band Frei.Wild, die Vergangenheit von Phillip Burger herangezogen wird. Ebenso stehen wir beide als Jungsozialisten für die Meinungsfreiheit des Menschen, und sagen deshalb: Frei.Wild mögen konservativ sein, rechtsextrem sind sie ganz sicher nicht!

 

gez.: Christian Senker

gez.: Joshua Seger