Jusos in der SPD - Unterbezirk Odenwaldkreis

 

Blog: IJFD Botsuana

Rückzug.

Hallo liebe Leute, leider muss ich euch heute mitteilen, dass mein Projekt als Volunteer in Botswana in Dukwi im Flüchtlingslager endgültig gescheitert ist. Morgen werde ich nach Hause fliegen.
Es sind nicht arbeitstechnische Gründe die mich dazu veranlassen, sondern sicherheitstechnische.
Die Sicherheit von uns Freiwilligen ist hier schlicht nicht mehr gewährleistet oder war es nie wirklich.
Auch Florian und ich mussten nun erleben wie es hier zugeht.
Ich hoffe ich konnte euch Botswana, das Land und das Leben der Flüchtlinge und auch alle sonstigen Erlebnisse etwas näher bringen. Auch wenn es nur 2 Monate waren, so nehme ich doch einiges an Erfahrungen mit. Ich habe mich sehr über euer Interesse und eure Mails etc. gefreut!
Vielen Dank und es tut mir leid, dass es jetzt so endet.
Sozialistische Grüße!

Josh

Hier der Bericht der beschreibt was uns zum gehen veranlasst hat:

Montagabend, den 11. November 2012 klopfte es in Dukwi bei uns an die Tür.
Ein junger Mann stand an der Tür und fragte ob wir …. (er nuschelte irgendeinen Namen, im Nachhinein denken wir, er hat versucht einen deutschen Namen auszusprechen) kennen.
Wir sagten nein und meinten er solle es woanders versuchen. Soweit so gut, man kann sich ja mal in der Tür irren.
Eine halbe Stunde später stand der Kerl wieder an der Tür, und zeigte uns ein Bild auf seinem Handy.
Das machte uns stutzig, es war ein Bild welches einem Freund von Florian sehr ähnlich sah. Ein Bild von einem Weißen also.
Doch noch glaubten wir, der junge Mann suche vielleicht einfach nur unsere Freundschaft und zeige uns deshalb solche Bilder.
Er fragte uns, ob wir den Jungen auf dem Bild kennen würden. Wir waren uns nicht sicher und verneinten.
Daraufhin meinte er, wir müssten ihn kennen, es könne gar nicht anders sein. Er würde weitere Bilder holen.
Wir waren verwirrt und angespannt. Woher konnte dieser junge Mann die Bilder haben?
Zunächst spekulierten wir noch auf Facebook oder ähnliches, das wäre ja eine Erklärung.
Ca. eine halbe Stunde verging, dann klopfte es wieder, mittlerweile war es ca. 10 Uhr Abends.
Der Kerl zeigte uns diesmal Originalbilder/Abzüge von Florians Freund.
Er oder ein gewisser Tshepo, von dem er die ganze Zeit sprach und welcher wohl der Nachbar des jungen Mannes sein sollte, er sprach davon er würde in einem Raum neben ihm wohnen, mussten in unser Haus eingedrungen sein, denn die Bilder hatten sich die ganze Zeit über in Florians Zimmer befunden, einem Zimmer welches wir jeden Tag abschlossen wenn wir das Haus verließen.
Dieser Tshepo muss unseres Erachtens wahrscheinlich ein Minenarbeiter sein, denn diese mieten sich in Dukwi Räume an, um dort unter der Woche zu leben. Da der Junge, er hieß Romeo, davon redete das dieser gewisse Tshepo in einem Raum neben ihm wohnen würde, macht dies also durchaus Sinn.
Dies schockierte uns, es ist schon ziemlich dreist, in ein Haus einzubrechen, Bilder zu klauen und dann diese Bilder den Beklauten unter die Nase zu halten.
Unseres Erachtens war das ein klares Zeichen, ein Zeichen darauf, dass man uns sagen wollte: „Wir können in euer Haus, wir können uns nehmen was wir wollen und wir haben keine Angst euch zu zeigen das wir euch überlegen sind. Wir können mit euch und in eurem Haus machen was wir wollen“. Es sollte uns einschüchtern. Wäre es ein bloßer Diebstahl gewesen, hätte man uns Wertsachen entwand, dies war aber nicht der Fall. Deshalb fassten wir das ganze als Drohung auf.
In diesem Haus konnten wir uns nicht mehr sicher fühlen, wie auch wenn jemand einfach so Zugang dazu hat und nachts vielleicht dann mal nicht nur Bilder möchte, sondern Geld oder anderes und einem dabei eine Pistole unter die Nase hält.
Ruhig schlafen kann man dann nicht mehr.
Entsprechend riefen wir dann unsere Projektkoordinatorin vor Ort an, auch sie heißt Tshepo.
Wir baten darum woanders untergebracht zu werden, da wir uns in dem Haus nicht mehr sicher fühlen konnten. Wir wurden dann in einem motelartigen Haus untergebracht.
Das war wohl auch gut so, denn unsere Nachbarn berichteten uns, dass in der Nacht wohl ein Pick-Up in den Hof gefahren war, sie dachten es wären Freunde von uns. Man hatte also in dieser Nacht sehr wahrscheinlich etwas mit uns vorgehabt. Das Hoftor welches wir beim Verlassen des Geländes schlossen, war am nächsten Morgen jedenfalls offen, und unsere Nachbarn waren das nicht gewesen, denn sie beschwerten sich bei uns, warum wir es denn offen gelassen hätten.
Diese ganze Situation veranlasste uns dann letztendlich zu der Entscheidung Dukwi und unser Projekt zu verlassen. Es ist dort keine Sicherheit mehr gegeben, jeder weiß wo wir wohnen und offensichtlich haben einige Leute keine Angst davor bei uns einzubrechen, sich persönlicher Gegenstände unsererseits zu bemächtigen und uns damit dann einschüchtern zu wollen.
Ob das nur ein „dummer-jungen-Streich“ war oder nicht, können wir nicht einschätzen, der Pick-Up im Hof spricht dagegen. In jedem Fall war es gerade diese Nichteinschätzbarkeit der Lage, die uns zum gehen veranlasste, denn wer weiß, ob es nur beim Diebstahl von Wertgegenständen bleibt, wer kann wirklich einschätzen warum man uns die gestohlenen Bilder unter die Nase gehalten hat?
Es macht in jedem Fall Angst und gerade vor dem Hintergrund dessen, was den drei Mädchen aus Gaborone passierte, ist es unseres Erachtens zu Riskant erst einmal abzuwarten was noch alles geschehen könnte, zumal unser Haus nicht großartig gesichert ist. Normalerweise geht man ja auch eigentlich davon aus, dass zwei männliche Bewohner Abschreckung genug sind, offensichtlich war dem nicht so und das sollte zu denken geben.

Josh, 13.11.2012, letzter Abend in Gaborone